Archäologische Forschung auf dem Braunsberg,
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Zusammenfassung des Vortrages von Univ.-Prof. Dr. O. Urban, 7.10.2005,

Die älteste Schriftquelle, die auf Kelten verweist, ist bei Herodot (5. –6. Jh v .Chr) zu finden. Er berichtet, dass dieses Volk am Oberlauf der Donau lebt. Die mangelhaften geographischen Kenntnisse dieser Zeit raten zur kritischen Beurteilung aller Ortsangaben.
Andere schriftliche Quellen und vor allem Funde weisen darauf hin, dass die Kelten im Gebiet südlich der Alpen, im Raume Gardasee lebten.

Für unser Gebiet ist der keltische Stamm der Boier wichtig. Er war seit 400 v. in 2 Stämme geteilt, die in Oberitalien und Böhmen ansässig waren. Der italienische Zweig wurde 191 v. von den Römern unterworfen.

113 v. schlug der böhmische Teil in der Schlacht von Noreia die Kimbern und verdrängte diese. Sie zogen donauabwärts und sind um 70 v. auf der Burg von Bratislava zu finden. Um 60 v. räumten die Boier ihre böhmische Heimat und ließen sich in Pannonien und Gallien nieder, die Porta Hungarica wurde in dieser Zeit, als geographisch wichtiger Posten, besiedelt.

Bohanska(?), Bratislava, der Braunsberg und Devin waren nacheinander Zentren in der Region.
Am Braunsberg erfolgte die erste Grabung schon um 1880-1890. 1930 wurde in der 23 ha große Anlage abermals gegraben und zahlreiche Funde aus der Hallstatt-, Früh- und Spätlatenezeit sichergestellt.
Bei jüngsten Untersuchungen (1998) wurden den Palisadengräben besondere Aufmerksamkeit gewidmet. Sie führten zur Rekonstruktion eines Palisadenturmes auf dem Originalplatz (sicher festzulegen auf Grund der Größe der Pfostenlöcher). Die Pfeiler wurden an ihrer ursprünglichen Stelle eingesetzt, nur die Höhe ist eine freie Kreation. Der Turm steht an einer strategisch günstigen Stelle: er ist von unten gut zu sehen und dient damit zur Abschreckung und er erlaubt auch freie Sicht auf den Abhang, was für die Verteidigung wichtig ist.
Die Anzahl der Türme auf dem Plateau ist unbekannt, man kann jedoch mehrere vermuten. Der Torbau, durch den man in das Innere der Wallanlage gelangte, wurde beim Bau der Braunsbergstraße zerstört.
Der Berg bot zur Blütezeit der Siedlung ca. 1000-2000 Menschen Platz. Sie lebten in Gehöften mit angeschlossenen Stallungen für Tiere. Die Wasserversorgung erfolgte zum großen Teil durch Nutzung des Regenwassers, welches von den Dachflächen gesammelt wurde. Durch Vergleich mit anderen Höhensiedlungen (Göttweig, Leopoldsberg..) und durch Deutung der Funde (Sensen, Mühlsteinreste, Schlackenreste, kleine Depotfunde von Alteisen) können auf dem Plateau Werkstätten, Getreidespeicher sowie der wichtige Handelsumschlagplatz angenommen werden.

Der Braunsberg stellt für die keltische Archäologie eine Kernzone dar. Die Versorgung der Anlage durch Felder und Siedlungen in der Ebene und deren Siedlungsdauer, die Dichte der Gehöfte auf dem Berg, die Beziehung zur Bersteinstraße, die bisher nicht bekannte Kultstätte...stellen einige der zahlreichen offenen Probleme dar, die einer weiteren Untersuchung bedürfen.