Wienertor    Zusammenfassung des Vortrages nach einer Tonbandaufzeichnung

 DI Beicht (Bundesdenkmalamt) geht in einer kurzen Stellungnahme auf die kunsthistorische Bedeutung  des Bauwerkes ein.

 

Vortrag Pummer:

Der Zustand des Wiener Tores:

Der Kalksandstein der Quader im unteren Teil des Bauwerks ist in einem „dramatisch" schlechten Zustand. Salze (vorwiegend das Steinsalz der Salzstreuung und Nitrate des Taubenkotes) lassen sich bis in eine Höhe von 2-3m über dem Straßenniveau bzw. an den Rastplätzen der Vögel im Gestein nachweisen. Durch die chem. Reaktionen (Kalkstein wird zu Gips), hervorgerufen durch Abgase (saurer Regen), wird die Statik der Buckelquader als tragende Elemente gefährdet.

Das Bruchsteinmauerwerk des oberen Teiles ist durch die Verwendung von zementgebundem Mörtel bei der letzten Restaurierung vor ca. 30 Jahren in Mitleidenschaft gezogen. Die harte Mörtelschale löst sich vom Hintergrund, in die Hohlräume dringt Feuchtigkeit, Frostsprengungen beschleunigen den Abbau des Materials, Platten können jederzeit abstürzen. Aufschichtungen durch Frost sind auch an den eingemauerten Kanonenkugeln zu beobachten.

Bilder vom Überlager einer Schießscharte und vom Schlussstein im Malteserkreuz des Bogens zeigen ebenfalls Risse.

Ein noch 1861 in einem Plan des Dombaumeisters Schmidt (liegt im Museum auf) eingetragener Anlauf (Abschrägung in der Toreinfahrt zur Verbesserung der Statik) ist nicht mehr zu sehen.

An der Ostseite des Tores ist, bedingt durch geringere Sonneneinstrahlung und dadurch größere Feuchtigkeit, verstärkter Algenbefall zu beobachten.

Die Wächterfiguren wurden bereits 1997 gereinigt und konserviert (die Abgasbelastung durch den Straßenverkehr war dabei derart, dass während der Arbeiten mit Gasmasken, und auch das nur wenige Stunden, gearbeitet werden musste. LKWs, die an den Steinen der Spitzbögen entlangschrammten, ließen das Gerüst schwanken und die Beeinträchtigung des Tores erahnen).

Im südlichen Durchgang sind die weicheren Steine des Kreuzrippengewölbes so stark beschädigt, dass man stets mit herabfallenden Teilen rechnen muss.

Steinproben aus dem Durchfahrtsbereich - im Labor des Bundesdenkmalamtes ausgeführt – haben ergeben, dass mache Elemente bis zu 50% ihrer Tragfähigkeit eingebüßt haben.

 

Erklärung der Schäden:

Der poröse Sandstein saugt, ähnlich einem Löschblatt, Feuchtigkeit aus dem Erdreich auf (feststellbar bis ca. 3m), die Feuchtigkeit enthält Salze, diese kristallisieren beim Abtrocknen des Mauerwerks aus, die damit einhergehende Volumsvergrößerung bewirkt Rissbildung, in die Risse dringt an der Oberfläche Wasser ein, in der Folge kommt es zu Frostsprengungen.

Die Quader sind in Zementmörtel „eingezwängt". Die Festigkeit des Mörtels behindert die durch Temperaturänderungen hervorgerufenen Volumsschwankungen des Steins ebenso wie das Austreten der Feuchtigkeit.

Schwefelsäure wandelt den Kalkstein in Gips um, dieser hat ein größeres Volumen, an der Oberfläche treten abermals Absprengungen auf, wodurch neue Schichten dem sauren Regen ausgesetzt sind. Der Schaden wandert daher von außen nach innen.

 

Konservierungsmaßnahmen:

Die Restaurierung des Wiener Tores erfordert mehrere Arbeitsschritte:

Zementputz:

Der zementgebundene Mörtel muss entfernt und durch einen grobkörnigen Kalkmörtel ersetzt werden.

Reinigung:

Mit dem seit ca. 15 Jahren u. a. am Karner von Bad Deutsch Altenburg erprobten Rotationswirbelverfahren (Wasser, Luft und Kalziumgranulat werden gemischt. Mit einer speziellen Düse wird ein rotierender Stahl erzeugt. Dieser hat einen scheuernden Effekt, wodurch eine schonendere Reinigung möglich ist, verglichen mit einem unter Hochdruck aufprallenden Wasserstrahl).

Entsalzung:

Auf die Buckelquader wird eine Kompresse aus Zellstoff aufgespritzt. Diese saugt beim Abtrocknen die Salzlösung aus der darunter liegenden Gesteinsschicht. Die trockene Kompresse wird abgenommen und auf ihren Salzgehalt untersucht. Wenn dabei noch gefährliche Salzkonzentrationen gefunden werden, wird die nächste Kompresse aufgebracht und der Vorgang solange wiederholt, bis der Kalkstein keine Salze mehr abgibt (diese Methode wurde auch an der Kirche in Bad Deutsch Altenburg angewandt).

Drainage:

Um das Aufsteigen von Feuchtigkeit in den Steinmauern des Wiener Tores zu verlangsamen, ist eine Drainage entlang der Mauern des Bauwerkes nötig. 

Hohlräume:

In die gereinigten Risse und Hohlräume wird Material gespritzt, welches auf das Gestein chemisch und bezüglich seines Temperaturverhaltens abgestimmt ist.   

 

Eine genaue Beschreibung des Tores finden Sie unter  Wiener Tor