Der Kalender 2012 steht unter dem Motto "Gastliches Hainburg"
Wir zeigen Ihnen darin einige von den über 30 Gasthäusern, die es einmal gab, die aber den älteren unter uns noch in Erinnerung sind, auch wenn sich meist die Besitzverhältnisse geändert haben.
Die Bilder, manche weit über 100 Jahre alt, sind Dokumente aus einer Zeit, in der Wohlstand, wie wir ihn kennen, nur wenigen in Hainburg ein angenehmes Leben ermöglichte, die ausgewählten Rezepte berücksichtigen die damals sicher vorherrschende einfache Küche. (Die meisten der angegebenen Gerichte sind auch heute noch als "Hausmannskost" bekannt und oft geschätzt)

"Bergstation " des Gasthauses "Am Junggebirge" (Georg Gotscholy). Nach einer Wanderung über den Hexenberg zum Pfaffenberg zu den damals noch vorhandenen römischen Ruinen, dem Abstieg über die drei Föhren und dem anschließenden Waldweg hat der Platz zur Erfrischung bei einem G'spritzten eingeladen. Für die Kinder gab's ein Kracherl.




Jänner
Gasthaus zum König von Ungarn, musste später auf Kaiser von Österreich, König von Ungarn geändert werden. Um 1900 war dieses Lokal Treffpunkt vor allem der Offiziere der hiesigen Kadettenanstalt (Ungarstraße 16; Ansicht vor 1900)

Leberpastete
30 dag Kalbsleber werden faschiert, mit 8 dag Butter, 30 dag gehacktem Schinken, 12 dag Paprikaspeck, 6 Eßl. in Milch gut ausgedrückten Semmelbröseln, Zwiebel, Salz, Gewürzen nach Geschmack, 2 ganzen Eiern und 1Dotter sorgfältig vermischt. Diese Masse siedet man in einer gut ausgestrichenen Form 1 Stunde lang im Wasserbad und stürzt sie anschließend auf eine Platte. Erst am nächsten Tag anschneiden. Dazu reicht man eine Sauce aus: 2 Dotter, 1 Eßl. Senf, 2 Eßl. Öl, abgeschmeckt mit etwas Zucker, Salz, Essig, fein geschnittenen Gurkerln und Kapern.



Februar
Gasthaus "Weißes Lamm", später Hotel zum weißen Lamm" Wo heute im Supermarkt die Regale voll sind, wurde bis in die 60er-Jahre, dicht gedrängt, fleißig getanzt. In dem großen gelben Gebäudekomplex war nicht nur Platz für die Gaststube mit Wiener Küche, Zimmer zu gut bürgerlichen Preisen, Garagierungsmöglichkeiten, sondern auch für den inzwischen verklärten "Lammsaal", in dem Bälle und "Großveranstaltungen" abgehalten wurden. (Ungarstraße 17;Ansicht um 1959).

Eiernockerl
30 dag Mehl, 3 Eier, 3 Dotter, 1 Eßl. Öl und 2 dl Milch werden zu einem glatten Teig verarbeitet, Wasser zum Kochen bringen, salzen, den Teig durch das Nockerlsieb in das kochenden Wasser treiben - dabei immer  umrühren damit sich keine Klumpen. Nockerln aufkochen, abseihen, kalt abschwemmen -  Fett erhitzen, Nockerln darin erhitzen, 10 Eier verschlagen, salzen und über die Nockerln gießen. Vorsichtig wenden.



März
Arche Noah Das am Donauweg nahe der Ruine Röthelstein gelegene Lokal der Familie Häringer war in der Vor- und Nachkriegszeit ein beliebtes Ziel bei Spaziergängen am Sonntag nachmittags und eine Labestation für die Fischer und Schlittschuhläufer. 1964 wurde das Gasthaus geschlossen. Ende der 60er-Jahre fiel es dann leider den Flammen zum Opfer. (Ansicht um 1940)<(td>

Topfenstrudel
Aus 1/4 kg Mehl, 2 Eßl. Öl, Salz und 1/4l Wasser einen Strudelteig kneten, rasten lassen und sehr dünn ausziehen. Während des Rastens die Fülle vorbereiten: 10 dag Zucker mit 3 Dotter und 10 dag Butter cremig rühren, 1 P. Vanillezucker, Zitronenschale und 1/4 kg Topfen sowie 2 in Milch eingeweichte, ausgedrückte Semmeln zugeben, den steifen Schnee der 3 Eiklar unterziehen. Den ausgezogenen Teig damit bestreichen, das Ganze rollen, in einer mit Butter bestrichenen Pfanne ca. 50 Minuten backen.



April
Restauration zum Ungarthor Aus dem stolzen BÖHM'schen Gasthof der Jahrhundertwende wurde in den 30er-Jahren die Bäckerei HOLZMANN, die in letzten Kriegstagen in Schutt und Asche versank. Ein kleiner Park und die Erzählungen vom Ambiente mit dem gegenüberliegenden, Ende der 70erJahre abgetragenen Apollokino, der Brückenwaage und der mühsamen - weil sehr engen - Zufahrt in die Stadt durch das Ungartor, sind geblieben. (Preßburger Reichsstraße 1; Ansicht um 1900)
Erdäpfelgulasch
3 kleingeschnittene Zwiebel und 2 Knoblauchzehen goldbraun rösten, 4 große, gewürfelte Erdäpfel dazurühren, mit Salz, Paprika, Pfeffer, 1 Paradeiser, Kümmel, 1 Lorbeerblatt und viel Majoran würzen, mit Wasser aufgießen und die Erdäpfel weich dünsten; geschnittene Knoblauchwurst oder "Dürre" mit durchziehen lassen. Wenn der Saft  nicht sämig genug ist, mit Mehl und saurem Rahm andicken.


Mai
Waldschänke. Was wäre früher ein Maispaziergang gewesen, ohne im Teichtal in dieser Gastwirtschaft einzukehren! Ihre wechselnde Geschichte hat viele Anekdoten hinterlassen, die heute noch zur Erheiterung, aber auch in zeitgeschichtlichem Bezug weitergereicht werden. (Burgenlandstraße 85; Ansicht um 1920)

Erbsensuppe
1/4 kg Spalterbsen über nacht in Wasser einweichen; 2 geselchte Ripperln kochen. Die Erbsen langsam vor sich so lange hinköcheln lassen - oft umrühren und die g'selchte Suppe der Ripperln nachgießen - bis die Erbsen vollständig zerkocht, die Masse sämig ist und eine suppige Konsistenz hat. Die Ripperln auslösen, das Fleisch klein schneiden, etwas anbraten und mit der Erbsensuppe ablöschen, mit Salz und Pfeffer würzen, eventuell noch gekochte, grüne Erbsen dazugeben. Als Suppeneinlage gehören in Schmalz geröstete Brotwürfel dazu.



Juni
Gasthof zum Stern. Das abwechslungsreiche Bestehen dieser Gastwirtschaft wird schon allein durch die 10 Besitzerwechsel - einmal wurde sie sogar als "Goldener" Stern tituliert. Der Pferdekrippe folgte eine inzwischen aufgelassene Tankstelle, der staubigen Landstraße mit Fuhrwerken der Durchzugsverkehr nach Bratislava; heute zieren goldene Löwen des Portal. Diese Lokal hat offensichtlich das ewige Leben. (Preßburger Reichsstraße 3; Ansicht um 1900)

Haustorte von Frau Gotscholy
2 Dotter mit 10 dag Staubzucker schaumig rühren; die 4 Eiklar mit 10 dag Kristallzucker steif schlagen und zusammen mit 15 dag griffigem Mehl vorsichtig unter die Dottermasse ziehen. Soll es eine Kakaotorte werden, dann gibtr man 2 Eßl. Kakao und 1 Eßl. Zucker dazu und nimmt1 Ei mehr für die Teigmasse. Keine zu großen Eier verwenden! Creme:3/16 l Milch, 4 dag Zucker, 4 dag Mehl und 1 P. Vanillezucker mischen und gut sämig aufkochen lassen. 1/4 kg Butter mit 25 dag Staubzucker sehr schaumig rühren, dann die ausgekühlte Vanillecreme löffelweise in den Dotterabtrieb rühren. Will man eine Schokoladenfüllung machen, rührt man erweichte Schokolade und 1 Eßl. Kakao in die Buttermasse.



Juli
Kaffee Hainburg, seit 1955 Café-Restaurant Goldene Krone. Grund für die Umbenennung sind die Außenaufnahmen für den Film "Die Wirtin zur goldenen Krone" mit Paula Wessely in der Hauptrolle. Was 1955 nur "vorübergehend" sein sollte, ist bis heute geblieben (Hauptplatz 21; Ansicht um 1950)

Cremeschnitten
30 dag Mehl,12 dag Butter, 10 dag Staubzucker, 1 Ei, 1 Messerspitze Natron, 3 Eßl. saurer Rahm zusammenkneten, etwas rasten lasse, auswalken und backen. Creme: 10 dag Kristallzucker dunkel bräunen, mit 1/4 l Milch aufgießen, solange rühren, bis der Zucker aufgelöst ist; 15 dag Staubzucker einrühren. 1/4 l Milch mit 3 Eßl. glattem Mehl versprudeln und der Karamelmilch zugeben, das Ganze dick einkochen. Zum Abkühlen beiseite stellen. 10 dag abgetriebene Butter und 1P. Vanillezucker in das Cremekoch einrühren und die zurechtgeschnittenen Teigblätter damit füllen.



August
Gasthof Alte Schießstätte, nach dem Abriss um 1900 Errichtung des Gasthauses zum Wienertor. Im großen Gastgarten mit seinen Kastanienbäumen war in der Zwischenkriegszeit immer etwas los: Blasmusik spielte zum Tanz auf, und das Haus war ein beliebtes Versammlungs- und Vereinslokal. In den 60er-Jahren wurde der Garten zu einem Lagerplatz umfunktioniert und in der Folge musste das Gebäude einem modernen Bürobau weichen. (Landstraße 1;Ansicht um 1920)

Gefüllte Paprika
8 grüne Paprika waschen und aushöhlen; 25 dag Reis dünsten; 3/4 kg Paradeiser kochen, passieren und eine Paradeissauce vorbereiten;30 dag Faschiertes mit 1 leicht gerösteten Zwiebel und den gedünsteten Reis mischen, mit Salz, Pfeffer und gehackter Petersilie würzen, die Paprika mit diese Farce füllen, diese in die Paradeissauce legen und das Ganze einige Zeit im zugedeckten Topf dünsten lassen.



September
Gasthaus zur goldenen Krone. Das "alte Schuster-Wirtshaus" mit seinen dunklen Gewölben und der Pferdekrippe vor dem Eingang war immer gut für ein schnelles "Stehachterl" oder ein kühles Bier im Kastanien-bestandenen Hof und auch die Pferde konnten bestens versorgt werden. Bevor es aber alt wurde, war es sogar höchst modern, es unterhielt mit dem ersten Kinematographen seine Gäste! Seit seiner Schließung 1963 hat das Haus nahe dem Wienertor viel erlebt, doch noch immer ist die goldene Krone an seiner Fassade ein nicht wegzudenkendes Wahrzeichen (Wienerstraße 25;Ansicht 1915)

Krautfleckerln
1 kg Weißkraut hobeln und salzen; 2 Kaffeelöffel Zucker in Schmalz bräunen, 1 Zwiebel kleingeschnitten und 1 Knoblauchzehe zerdrückt darin glasig anschwitzen, Kraut dazugeben und durchdünsten. Inzwischen 40 dag Fleckerln kernig kochen, gut abtropfen lassen, danach mit dem Kraut mischen und mit Salz (wenn notwendig) und Pfeffer abschmecken. Eventuell noch vorsichtig im Topf ankrusten lassen.



Oktober
Gasthaus zum Goldenen Anker.Das Haus an der Donaulände ist in den Stadtanalen schon 1655 als Seilerei und Gerberei verzeichnet. 1885 wurde der Familie Brenner die Konzession für den Ausschank alkoholischer Getränke erteilt. Noch heute erinnern sich die Hainburger an den einstigen Werbespruch: "Wegen dem Gulasch geht der Kenner nicht zum Schmiedl, sondern gleich zum Brenner" (Donaulände 27; Ansicht um 1900)

Rindsgulasch
1 kg Zwiebel und 2 Knoblauchzehen hellbraun anrösten, 1 kg in kleine Scheiben geschnittenen Wadschinken zugeben, gut durchrühren und solange durchdünsten, bis alle Flüssigkeit verbraucht ist. Mit Salz, Pfeffer, Neugewürz, Kümmel, Majoran, 1 Lorbeerblatt würzen und ein Brotscherzel zugeben, mit Wasser aufgießen und langsam vor sich hinköcheln lassen. Bei Bedarf den Gulaschsaft mit Wasser verdünnen, er muss schön sämig sein!



November
Gasthaus zum roten Hahn. Zwischen dem "Dreihunderterhaus" und dem damaligen Bürgerspital - Bezirksarmenhaus (später Altersheim) gelegen, war das kleine Wirtshaus um die Jahrhundertwende die letzte Gelegenheit, Mann und Pferd zu stärken, bevor es auf das Feld zur Arbeit oder gar auf eine Weite Reise ging. In den 30er-Jahren kam noch eine Fleischhauerei dazu und gehörte mit den benachbarten 2 Gemischtwarenhandlungen und einer Bäckerei zu den Nahversorgern außerhalb des Wienertores (Landstraße 10; Ansicht um 1900)

Allerheiligenstriezel
Mit 2 dag Germ und 1 Kaffeelöffel Zucker und 3 Eßl. von 1/4 l lauwarmer Milch ein "Dampfl" setzen (gehen lassen). Dieses mit 40 dag Mehl, 8 dag Zucker, 8 dag Butter, " Eiern, geriebener Zitronenschale, Salz und der restlichen Milch zu einem glatten Teig verarbeiten (muss sich von der Schüssel lösen!) 2-mal gehen lassen, 4 dicke, 3 dünne und 2 sehr dünne Rollen gleicher Länge formen, einen 4-teiligen und einen 3-teiligen Zopf flechten, die dünnen Rollen zusammendrehen, alles übereinander legen, Spitzen mit Wasser bestreichen, mit zersprudeltem Dotter den rohen Striezel bestreichen und backen.



Dezember
Restaurant zum goldenen Karpfen. An der Donaulände bei der Blutstiege und gegenüber vom Personenbahnhof gelegen versorgte dieses Lokal viele Jahrzehnte lang nicht nur hungrige Schiffsleute und Reisende, sondern war auch für so manche fröhliche Hainburger Runde ein gemütlicher Treffpunkt, bis es 1984 seine Pforten schloss (Donaulände 24;Ansicht um 1900)

Rindsbraten mit Wurzelgemüse 1 kg hinteres, ausgelöstes Rindfleisch, mit Salz und Pfeffer einreiben, rundherum anbraten; 1 Bund Suppengemüse, 1 Zwiebel, 1 Knoblauchzehe, 1 Paradeiser und 3 Streifen Zitronenschale im Bratfond anrösten, Fleisch und Gemüse in einer zugedeckten Bratpfanne 2 1/2 Stunden bei 200° dünsten (eventuell zwischendurch mit Suppe begießen). Fleisch aus der Sauce nehmen, in Scheiben schneiden und warm stellen. Bratenrückstand passieren, mit etwas Mehl und saurem Rahm leicht sämig rühren, mit Neugewürz, Thymian, Wacholderbeeren und eventuell Preiselbeeren abschmecken.