Das verkleinerte Kalenderblatt für den Monat Jänner.
Die Blätter haben eine Größe von
ca. 17x35cm 

Der Kalenderteil wurde ausgeblendet

Die Sagen wurden von Johann Wenzel
gesammelt.

In stürmischer Nacht fährt in der zwölften Stunde der "schwari Wogn" durch Hainburgs Gassen. Es ist dies ein großer, schwarzer Wagen, bespannt mit riesigen Rappen. Gelenkt wird er von einem kohlschwarzen Fuhrmann. Schwer poltert er durch die menschenleeren Gassen. Kam er in alter Zeit zu den geschlossenen  Stadttoren, so öffneten sich diese von selbst und donnernd fuhr er durch die Bogen. Wenn er vorbeifährt, darf man ja nicht zum Fenster hinaussehen. Ein neugieriges Weib erhielt dabei einmal einen starken Schlag ins Gesicht. Von dem blieb auf ihrer Wange  für alle Zeit eine schwarze Hand zurück.

Februar

die drei ritter

Drei Ritter hatten gelobt, ins Heilige Land zu pilgern. Hoch zu Roß, begleitet von ihren Knappen auf Saumpferden, ritten sie durch Hainburg nach dem Osten. Nach beschwerlicher Fahrt kamen sie nach Jerusalem, beteten am Heiligen Grab und rüsteten dann wieder zur Heimreise. Sie zogen durch die Ostländer und Ungarn und sahen nach einem Jahr wieder die Türme Hainburgs.
Aber in ihre Heimat sollten sie nicht mehr kommen! Sie hatten die Pest mitgebracht und blieben dort liegen, wo von der Reichsstraße der Weg zur Heide abzweigt. Sie starben auch hier und wurden von ihren Knappen neben der Straße begraben. Auf dem Grabe der Ritter wurde später das schöne dreieckige Kreuz errichtet. Als man im Jahre 1914 die Straße hinter das Kreuz verlegte, fand man drei Skelette in der aufgegrabenen Erde.

 

März

DIE BLUTGASSE

Als die Türken oberhalb des Halterturmes die Stadtmauer erstiegen hatten, wollten viele Hainburger hinab zur Donaulände flüchten. Sie hofften, sich von dort an das andere Ufer zu retten. In Todesangst rannten sie durch das Fleischgassl zum Fischertor. Dort drängten sich Hunderte schreiend und jammernd zusammen und die Schwächeren wurden niedergestoßen und zertreten. Doch das Tor war nicht zu öffnen, da die Torflügel nach innen aufgingen. Sie mussten alle einen schrecklichen Tod erleiden.
Aus der oberen Stadt stürmten die wilden Türken herab und hieben mit ihren krummen Säbeln die Unglücklichen zusammen. Das Blut staute sich beim Tor hoch an und floss dann zur Donau ab. Heute noch sieht man an der linken Mauer neben dem Tor die Kerbe vom Hieb eines Türkensäbels.
Zur Sühne dieses Gemetzels wurde im Jahre 1780 vor dem Fischertor die kleine Türkenkapelle vom Gerbermeister Michael Neumann errichtet.

April

DAS GEKLINGEL IM BRUNNEN

Das Haus Nr. 4 auf dem Hautplatz gehörte einst dem reichen Tuchmacher Oppitz. Aus dem tiefen Hausbrunnen tönte manchmal in der Nacht ein sonderbares Klingen. Es war, als ob Gold- und Silbermünzen gezählt würden. Darüber meldet die Sage: Auf einer Handelsreise geriet einer der Brüder Oppitz in die Hände der Türken. Aus der Gefangenschaft schickte er folgenden Brief nach Hause:"Lieber Bruder! In einer Nische unseres Hausbrunnens habe ich tausend Goldstücke eingemauert. Nimm dieses Geld und kaufe mich damit los!" Der Bruder suchte nach und fand wirklich den versteckten Schatz. Da er aber ein Bösewicht war, behielt er das Geld für sich und verschwendete es. Der Gefangene wartete umsonst auf seine Befreiung und ging in der Fremde elend zugrunde. Seither hörte man aus dem Brunnen das sonderbare Geklingel. Es nahm erst ein Ende, als Elisabeth Oppitz im Jahre 1749 die schöne Frauensäule errichten ließ.

Mai

DIE KLAGE

Wenn in der Martinskirche am Fronleichnamstag im Hochamt das Evangelium gesungen wurde, hörte man oben im Bergschloss großes Jammnern. Das kam von den Geistern der vielen Menschen, die in uralter Zeit in der Burg erschlagen wurden. Wer sich während des Hochamtes in der Ruine aufhielt, musste sich vor der "Gloch" in Acht nehmen. Plötzlich und schnell rollte aus dem Burgtor eine große Kugel auf ihn zu, aus der jämmerliches Stöhnen drang. Da musste er rasch zur Seite springen. Wenn ihn die Kugel berührte, fiel er tot zu Boden.

Juni

DIE GRASMÄHERIN

Im Haus Nr. 6 in der Kirchengasse lebte einst eine Frau, die auch an Sonn- und Feiertagen arbeitete. Einmal ging sie sogar am Fronleichnamsfest in den Stadtgraben, um Gras für ihre Ziegen zu mähen. Mit gefülltem Grastuch kehrte sie während der Prozession heim. Als sie in die menschenleere Kirchengasse einbog, strömten ihr große Wassermassen vom Anger her entgegen. Diese umbrausten sie ringsum,  so dass sie glaubte zu ertrinken. Nur mit größter Anstrengung konnte sie gegen den reißenden Strom ankämpfen. Endlich langte sie todmatt bei ihrem Hause an. Nach der Prozession erzählte sie ihr Erlebnis ihrer Nachbarin. Doch diese lachte sie aus, denn es hatte keinen einzigen Tropfen geregnet.

Juli

PROZESSION DER TOTEN

Alljährlich am 12. Juli geht durch Hainburg eine seltsame Prozession. Um 11 Uhr nachts öffnet sich das Tor des ehemaligen Franziskanerklosters und ein langer Zug von Toten kommt daraus hervor. Sieben Mönche in braunen Kutten gehen voran und jeder trägt seinen Kopf unter dem Arm. Hinter ihnen folgen 300 Menschen aller Stände, kleine und große, Buben und Mädchen, würdevolle Ratsherren, reichgekleidete Bürgersfrauen, Mütter mit Säuglingen, Handwerker und Hauer. Alle diese tragen ebenfalls ihren Kopf unter dem Arme. Die unheimliche Schar schreitet langsam über den Klosterplatz, über den Hauptplatz und durch die Kirchengasse zum Anger. Dann umkreist sie dreimal den Platz, wo früher der Friedhof und die Martinskirche waren. Durch die Alte Poststraße und Zehetnergasse kehren die Gespenster zum Klostermagazin zurück. Mit dem zwölften Glockenschlag schließt sich wieder das Tor.

August

DAS ERLÖSTE ZWERGLEIN

Vor dem Wienertor saß vor langer Zeit in mancher Nacht ein winziges Manderl bei einem Feuerlein. Bittend streckte es die Hände nach jedem Vorübergehenden aus und zeigte traurig auf das Feuerlein hin. Niemand wusste, was das Flehen des Männleins zu bedeuten hatte. Manche fürchteten sich und eilten, um rasch hinwegzukommen. Andere wollten dem Kleinen etwas schenken, Kreuzer, Knöpfe, Tantas , Kugeln und dergleichen. Einige warfen Holzstücken oder Steinchen in das Feuer, aber stets schüttelte das Zwerglein verneinend den Kopf.
Einmal kam ein Bettler daher, der hatte großes Mitleid mit dem betrübten Manderl. Er wollte ihm gerne etwas geben, fand aber in seiner Tasche nichts als ein paar Brotbrösel. Diese streute er bedauernd in das Feuer. Kaum hatte er dies getan, so winkte das Männlein dem Mitleidigen fröhlich zu, sprang auf und verschwand. Das Feuerlein wurde kleiner und kleiner und brannte endlich aus. In der Asche aber fand der Bettler glänzende Goldklümpchen, in das Zwerglein die Brösel verwandelt hatte.

September

DIE WASSERMÄNNLEIN

Ein Hainburger Fischerbub fuhr einst mit der Zille in die Spittelau, um zu fischen. Es war eine schöne Vollmondnacht, die Fische plätscherten lustig im Wasser. Doch fing er weder Karpfen noch Hechte, weder Barben noch Pleinzen. Als er das letzte Mal missmutig das Netz aufzog, hockte ein dicker Wassermann darinnen. Der sagte: "Aha, da ist schon wieder so ein vorwitziges Menschenkind!" Dann sprang er auf ihn zu und schlug ihn zu Boden, dass er nicht aufstehen konnte. Darauf stieg aus der Donau eine Schar Wassermännlein. 
Diese stellten sich im Kreis auf und sangen und tanzten, der dicke Wassermann aber lachte mit seinem breiten Maul. Der Fischerbub schaute erschrocken und doch neugierig auf diese Treiben. Schließlich fielen ihm die Augen zu und er schlief, bis die Sonne hoch am Himmel stand. Da sprang er zur Zille, schob sie ins Wasser und brachte sie durch Antauchen mit der Hakenstange stromaufwärts. Dann ergriff er das Krückl und ruderte stehend über den Strom.

Zu Hause erzählte er das Erlebnis seinem Vater. Der antwortete:" Als ich noch jung war, ist es mir auch einmal so ergangen, ebenso meinem Vater und Großvater. Du hast, so wie ich, großes Glück gehabt, dass dich der Wassermann nicht verzaubert hat. Nun wollen wir ihm das Wiederkommen für eine Weile verleiden!" Er nahm seine alte Flinte und lud sie mit einer geweihten Kugel. Dann fuhr er mit dem Buben ans jenseitige Ufer. Dort versteckte er sich im Gebüsch, während der Bub zu fischen begann. Nun geschah alles so wie am Vortage und bald tanzten die Wassermännlein am Ufer. Der alte Fischer aber legte die Flinte an und tat mitten unter sie einen Schuss. Da stürzten alle zu Boden und waren in Menschen verwandelt. Der alte Wassermann jedoch sprang kopfüber in den Strom. Die Erlösten dankten dem Fischer, dass er sie aus der Gewalt des Wassermannes befreit hatte.

Oktober

DER LINDWURM

In längst vergangener Zeit sahen die Hainburger an heißen Tagen ein schreckliches Ungeheuer auf dem Dach des Ungartores sich sonnen. Das war ein feuer-roter Drache mit breiten Flügeln und langem Schweife. Dieser Lindwurm kam meist vom Pfaffenberg herangeflogen, wo er sein Lager hatte. Da er nur schlecht fliegen konnte, machte er auch Rast in den Ortschaften um Hainburg.

Bei seinem Nahen erhob sich ein gewaltiges Sausen in der Luft und die Wucht seines Flügelschlages beschädigte die Strohdächer. So furchtbar er aussah, so glücksbringend war sein Kommen. Jeder Bauer freute sich, wenn er sich in seinem Hofe schwerfällig niederließ. Denn gar bald füllten sich Boden, Keller, Stadel und Küche mit Gütern aller Art. Korn Schmalz , Fleisch und Wien gab es in Hülle und Fülle, auch volle Truhen und gefüllte Geldstrümpfe. Eines Tages aber verschwand der Drache aus der Gegend und wurde nicht mehr gesehen.
Zum Andenken ließen die Hainburger seine Gestalt auf einem Quaderstein ausmeißeln. Diesen Stein kann man noch heute an der Innenseite des Ungartores sehen.

November

DER SCHIMMEL

In Hainburgs Gassen kann es dem einsamen Wanderer in stürmischen Nächten geschehen, daß sich vor seinen Füßen plötzlich ein riesengroßer Schimmel auf der Erde wälzt. Das Tier schlägt mit den Beinen so gewaltig um sich, daß der Wanderer seinen Weg nicht fortsetzen kann, sondern in anderer Richtung seinem Ziele zustreben muß. Geht er aber durch eine andere Gasse, so verlegt ihm der gespenstische Schimmel auch hier den Weg. Erst um Mitternacht verschwindet der Spuck und der Wanderer kann ungefährdet seines Weges ziehen.

Dezember

DIE PFERDE IM HEXENBERG

In einer warmen Sommernacht wandelte einst eine Frau, die vor der Stadt im Bürgerspital hauste, hinaus zum Hexenberg, da sie in ihrer niedrigen, heißen Stube keinen Schlaf finden konnte. Wie sie neben dem Walde dahinschritt, stand sie unvermutet vor einer Höhle, in der ein Feuer brannte. Von diesem grell beleuchtet. bemerkte sie einen bärtigen Riesen in einer seltsamen Tracht, der ein Pferd am Zügel hielt. Eben wollte sich die Frau ängstlich entfernen, da rief der Mann sie an und fragte, ob sie nicht bei ihm bleiben wolle. Weil die Erschrockene die Frage verneinte,

wurde der Fremde zornig und zwang sie, in die Höhle einzutreten, aus der er sie trotz ihrer Bitten nicht mehr entließ. Die Tochter der Unglücklichen hatte unterdessen mit der Nachbarin ihre Mutter vergeblich gesucht. Endlich fand sie diese in der Höhle im Hexenberge, trat zu dem Feuer und wollte die Mutter mit sich nehmen. Doch der Bärtige sprang herzu, sprach über Mutter und Tochter einige Zauberworte und verwandelte beide in Pferde Seit jener Zeit treiben sich in manchen Nächten wilde Pferde am Rande des Hexenberges umher.