Die Römersteine vom Pfaffenberg

Zusammenfassung des Vortrages von Univ.-Prof. Dr. W. Jobst, 29.10.2004,
er ist seit 1969 mit dem Jupiterheiligtum befasst

In unserer Zeit, in unserer Region verbindet man mit dem Pfaffenberg in erster Linie die Begriffe Steinbruch und Steingewinnung.

Aus dieser Steingewinnung wird vielfältiger Nutzen gezogen. Offensichtlich ist der wirtschaftliche Vorteil, für das Unternehmen, für Menschen der Umgebung, die dadurch ihren Lebensunterhalt verdienen. Weniger bekannt ist, dass auch die Wissenschaft durch den Materielabbau wertvolle Erkenntnisse ziehen kann. Zahlreiche Fossilienfunde bereichern die Paläontologie, Geologen können wertvolle Schlüsse über den Gebirgsaufbau der kleinen Karpaten ziehen

Dass Nutzen und Schaden häufig eng miteinender verbunden sind,zeigt auch der Pfaffenberg deutlich. Die Veränderungen der Landschaft schon in der Antike begonnen. Sie haben sich über Mittelalter bis in unsere Zeit mit wachsendem Tempo fortgesetzt. Dieser Veränderungsprozess ist Teil unseres Labens und lässt sich am Beispiel der Geschichte der Stadt Carnuntum und des Pfaffenberges deutlich nachvollziehen.

Carnuntum war eine keltische Siedlung mit Zentrum bei Bratislava und Theben in Verbindung mit dem Braunsberg. Bei der Gründung der röm Stadt um 40 n. Ch. wurde, der damaligen Stadtplanung gemäß, eine Anhöhe, ein Berg mit einbezogen, in Carnuntum der Pfaffenberg. Dafür gab es vor allem kultische Gründe. Antike Mythen und die Bibel zeigen, dass herausragende Ereignisse immer auf Bergen stattfanden, auf einer Anhöhe ist man dem Himmel näher. Berge waren immer Stätten der Götterverehrung.

         Minerva

Zufallsfunde aus dem 19.Jh. und Aufzeichnungen  der Bezirkshauptmannschaft, des Museumsarchives und der    Hollitzer-Baustoffwerke zeigten sehr früh, dass das Plateau des Pfaffenberges  religiöse Bedeutung haben musste. Eine 1935 durchgeführte Probegrabung  bezeichnete allerdings das Gebiet als archäologisch unergiebig.

Nach dem 2. Weltkrieg wurde aus dem Nebeneinander von Steinbruchbetrieb  und archäologischer Stätte ein Gegeneinander. Durch die gesteigerte  Nachfrage nach Baumaterial und die geänderte Abbautechnik rückte die  Abbruchkante dem historischen Gelände immer rascher näher. 1970 wurde  eine weitere Testgrabung unternommen,

 

          Jupiter

Schon nach kurzer Zeit sind vielversprechende Funde zum Vorschein gekommen sind. In den darauf folgenden Jahren wurde das Gebiet systematisch erforscht. Die dafür nötigen Geldmittel wurden zu 4/5 von den Hollitzer- Baustoffwerken, der Rest vom Land NÖ und der Republik Österreich getragen.

 

           Jupiter

   Marc Aurel
   Carnuntum

    Marc Aurel
       Neapel

 

       Grabungsareal um 1980

40 Statuen , hunderte Inschriftenfragmente, tausende Bruchstücke von Weihealtären und Reliefbasen sind gefunden, ein ganzer Bezirk mit Tempelbauten, Weihemonumenten, Kapellen, Säulen und einem Theater  für 350-400 Zuschauer ist freigelegt worden. Bemerkenswert war für die Forscher der unglaubliche Zerstörungsgrad der meisten Fundgegenstände.

Die auf Grund der Funde versuchte Rekonstruktion der Kultstätte ergab folgendes Bild.

Auf dem Plateau des Paffenberges befand  sich ein Heiligtum in dem besonders Jupiter, aber auch Juno, Minerva, Victoria und die röm. Kaiser  verehrte wurden. Das Heiligtum wurde von einem 4 köpfigen  Priesterkollegium, den Magistrimontis, verwaltet. Ein Prozessionsweg, gesäumt von Statuen, führte von der Donau auf den Berg.Aus persönlichen Gründen der Bürger oder wegen wichtiger politischer Ereignisse wurde Weihealtäre gestiftet. An Feiertagen wurden im Theater Spiele veranstaltet.

Der im Vergleich mit anderen antiken Kultstätten auffallende Zerstörungsgrad der Funde wurde von den Archäologien in Zusammenhang mit der Gründung der Stadt Hainburg gebracht. Als im 13. Jh. die Befestigungsanlagen der Stadt Hainburg errichtet wurden, bedienten sich die damaligen Bauleute abermals des Pfaffenberges als Steinlieferanten. Sie entnahmen dem ehemaligen Heiligtum, das in der 2. Hälfte des 4. Jhs.n.Ch. von den ersten christlichen Kaisern geschlossen und stillgelegt worden war, die schon zubereiteten Steine, schlugen Verzierungen an Ort und Stelle ab und mauerten die Quader oder Säulenteile in Stadttore und Stadtmauern. Wenige „originale“ Steine sind uns erhalten. Der Bekannteste darunter ist der „Lindwurm“ am Ungartor.

Oberkörper, Hüftgegend, Oberschenkel, Knie, Unterschenkel und Fuß einer menschlichen Figur sind deutlich zu erkennen. Der Kopf fehlt. Vergleiche mit andere Statuen lassen eine halbe Jupiterfigur vermuten.

Auch am Wienertor sind Steine zu erkennen, die ihren Ursprung auf dem Paffenberg haben

                                      

Heute existiert das röm. Heiligtum nicht mehr. Nur die Funde sind, von Studentengenerationen unter der Leitung der Archäologen ausgegraben, erhalten und werden im ehemaligen Minoritenkloster aufbewahrt. Forscherteams aus Italien, Rumänien, der Slovakei und Österreich bearbeiten sie und versuchen, das Denken und Fühlen der Menschen, die hinter diesen Monumenten gestanden sind, zu erfahren.

Das Heiligtum ist nicht mehr, es ist Geschichte. Eines Tages wird auch der Steinbruch nicht mehr sein, auch er ist Teil des Veränderungsprozesses in unserem Leben.
Man stellt sich schon jetzt die Frage, wie das jetzige Betriebsgelände, eine große Narbe in der Natur,zukünftig genutzt werden kann. Rekultivierungsprojekte zu diesem Thema sind vorhanden und werden laufend überarbeitet. Vielleicht wird eines Tages der gesamte Tempelbezirk in einem Teil des Steinbruchs präsentiert, das Werk selbst als Attraktion der Industriearchäologie gesehen.

Das ist eine Vision aber auch eine Herausforderung, die bei der Aufarbeitung der
Pfaffenberg-Steine nie vergessen wird. Wir lernen aus der Vergangenheit und möchten Resultate gewinnen, die für die Zukunft relevant sind.

Wir hoffen, dass mit der Publikation über das Paffenberg-Heiligtum, herausgegeben von der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, das Interesse an diesem Projekt aufrecht erhalten wird.

Werner Jobst: Das Heiligtum des Jupiter Optimus Maximus auf dem Pfaffenberg

1. Bd.Ioan PISODie Inschriftenschon erschienen
2. Bd.Gabrielle KREMERDie rundplastischen Figurenschon erschienen
3. Bd.Werner JOBST Die Ausgrabung

Klaus VONDROVEC

Matthias PFISTERERDie Fundmünzenin Vorbereitung
4. Bd.Werner JOBST u.a.Reliefbasen und Weihealtärein Vorbereitung
5. Bd. Denes GABLER

Istvan KoosKultgeschirr und Metallfundein Vorbereitung
6. Bd.N. N.Architektur und Rekonstruktion des Heiligtumsin Vorbereitung

Bildnachweis: Alle Bilder     W. Jobst