Archäologie in Carnuntum und Hainburg

Univ.-Prof. Dr. Jobst, beschäftigt sich jahrelang mit "Römersteinen" aus Carnuntum und solchen  vom Heiligtum auf dem Pfaffenberg .
Diese leicht zugänglichen, schon bearbeiteten Steine  wurden früher gerne als billiges Baumaterial verwendet. Viele alte Bauwerke und Mauern unserer Stadt ( z.B. die Abgrenzung des Pfarrgartens zur Volksschule hin ) enthalten zahlreiche antike Relikte.

Jobst gibt in diesem Zusammenhang dem "Lindwurm", der an der Westseite des Ungartores zu sehen ist, eine überraschende Deutung.

Bei einer von ihm im Juni 2003 durchgeführten genaueren Untersuchung des Blockes  verdichtete sich der Eindruck, daß hier ein Reliefquader aus römischer Zeit  vorliegt, der die linke Hälfte einer nackten menschlichen Figur darstellt. Die Drehung des Bildes um 90° beseitigt jeden Zweifel.

Beide Bilder   W.Jobst

Die Körperhaltung der Figur stimmt bis in Details mit einem weit verbreiteten und auf dem Pfaffenberg  häufig aufgefunden Typus einer Jupiterdarstellung überein. Die Vermutung liegt nahe, daß auch der Stein vom Ungartor einst seinen Standort in Carnuntum hatte.

Die vollständige Abhandlung von W. Jobst über die Untersuchung des Reliefs erscheint in einer Festschrift für Ekkehard Weber in den Archäologisch - epigraphischen Mitteilungen 2005.

Der aus Sagen bekannte, gutmütig Drache entpuppt sich also bei genauerer  Betrachtung als halbe menschliche Figur.

Der Zustand des Reliefs ist, unabhängig von dessen Deutung, sehr bedenklich. Witterungseinflüsse haben dem Stein derart zugesetzt, daß Fachleute dringend zu einer Konservierung raten, soll der das "freundliche Untier" noch länger zu bestaunen sein.

Diese Sicherungsarbeiten sollten im Herbst 2004 durchgeführt werden.