Wissenswertes
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Das Mittelalter
Leben im MA
Das Familienleben
Schul- und Lehrjahre
Die ersten Universitäten
Die Gerichtsbarkeit im Mittelalter
Ernährung im Mittelalter

Eine ausführliche Behandlung der politischen Situation und der Lebensumstände um die erste Jahrtausendwende finden Sie auf der Seite Um1000

Das Mittelalter

Im Groben ordnet man das Mittelalter in die Zeit von 500 bzw. 600 n.Chr. bis 1500 n. Chr. ein. Wesentlich genauer sind jedoch folgende Merkmale:

Das Mittelalter erstreckt sich ungefähr vom Ende der Völkerwanderung (375-568) bzw. vom Untergang des weströmischen Kaisertums 476 bis zum Zeitalter der Renaissance seit der Mitte des 15. Jahrhunderts bzw. bis zum Beginn des 16. Jahrhunderts. Es bezieht sich in erster Linie auf die Geschichte des christlichen Abendlandes vor der Reformation.

Das Mittelalter bezeichnet eine Epoche in der europäischen Geschichte zwischen der Antike und der Neuzeit, welche christliche, antike und keltische, germanische und slawische Entwicklungen zusammenführt.

Grundzüge des Mittelalters sind die nach Ständen geordnete Gesellschaft, die gläubig christliche Geisteshaltung in Literatur, Kunst und Wissenschaft, Latein oder Griechisch als gemeinsame Kultur- und Bildungssprache, die Idee der Einheit der christlichen Kirche, (die aber faktisch nach dem großen Schisma mit der Ostkirche nicht mehr bestand) und ein recht einheitliches Weltbild.

In das Frühmittelalter (6.bis 11. Jahrhundert) fällt die Völkerwanderung, die weitgehende Christianisierung Europas, der Aufstieg des Fränkischen Reiches, der Einfall der Wikinger, der Beginn des Heiligen Römischen Reiches und die Kämpfe zwischen Kaisertum und Papsttum. Außerdem wirkt der Aufstieg des Islam und sein schnelles Ausgreifen bis nach Europa prägend. Wesentliche Kulturträger sind das Byzantinische Reich, die Klöster insbesondere die des Benediktinerordens.

Das Spätmittelalter (ca. 1250 bis ca. 1500) ist die Zeit des aufsteigenden Bürgertums der Städte und der Geldwirtschaft. In dieser Zeit steigt die Hanse zur Handelsmacht auf. Seit etwa 1280 bis einige Jahrzehnte nach der „Großen Pest“ (Schwarzer Tod) in der Zeit von 1349 bis 1351 macht die europäische Geschichte einige krisenhafte Entwicklungen durch, die zu einem starken Bevölkerungsrückgang (Pest) führen, die allmählich zur Neuzeit überleiten.

Das Spätmittelalter ist die Zeit des aufstrebenden Bürgertums. Neue Handelswege werden erschlossen und unternehmungslustige Kaufleute machen in fernen Ländern gute Geschäfte. Technik und auch Wissenschaft machen Fortschritte, obwohl die Kirche viele Erkenntnisse als Ketzerei verdammt. Die Entdeckung Amerikas durch Kolumbus im Jahr 1492 öffnet den Blick in eine „Neue Welt“ und markiert den Beginn einer neuen Zeit.

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Das Leben im Mittelalter

Die Gesellschaft des Hochmittelalters gründet auf dem Lehenwesen, das auf römische, keltische und germanische Ursprünge zurückgeht. Um ihre Macht zu stärken, vergeben Könige an ihre adlige Gefolgschaft ein Lehen, d.h. Landbesitz, Ämter und verschiedene Privilegien. Diese Lehen sind keine Geschenke – die Herrscher erwarten von ihren Lehnsmännern, den Vasallen, Treue und im Fall bewaffneter Auseinandersetzungen militärische Hilfe. Die Lehnsmänner des Königs festigen ihre eigene Stellung, indem auch sie Lehen an Untervasallen vergeben. Dienstverhältnisse, die auf einem Geben und Nehmen beruhen, werden in allen Schichten der Gesellschaft geschlossen, so dass der Zusammenhalt der mittelalterlichen Gesellschaft auf persönlichen Beziehungen gründet. In dieser Lehenpyramide ist kein Platz für die Bauern. Sie müssen keinen Waffendienst leisten, aber statt dessen auf den Ländereien eines Gutsbesitzers arbeiten und ihm verschiedene Abgaben leisten. Geflügel, Ferkel, Käse, Wein, Getreide etc zählen zu den Naturalien, die sie an den Grundherrn, der ihnen Schutz zusichert, abführen müssen. Da auch die Kirche bestimmte Abgaben fordert, bleibt den Bauern in schlechten Zeiten nicht viel zum Leben. Ab dem 12. Jh. beginnt sich die Lage der unfreien Landbevölkerung zu verbessern. Es drängt viele Bauern in die aufstrebenden Städte, wo bessere Lebensbedingungen und vor allem die Freiheit locken.

 Nach dem Untergang des Römischen Reiches waren die Städte der Römer allmählich verfallen, weil die Germanen es weiterhin vorzogen, in Dörfern zu leben.

Aus den in der Nähe von Herrensitzen gelegenen Kaufmannssiedlungen werden jedoch im Laufe der Zeit größere Ortschaften. Darüber hinaus gründeten viele Fürsten Städte, um aus deren schnell zunehmender Wirtschaftskraft Nutzen zu ziehen.

Das Zentrum der mittelalterlichen Städte ist der Markt. Die Ackerbauern bieten hier ihre Produkte feil. Sie müssen ebenso wie die fremden Kaufleute beim Passieren der Stadttore Zollgebühren für ihre Waren entrichten

Kaufleute und Handwerker tragen wesentlich zum Aufschwung der Städte bei. Sie gründen Gilden und Zünfte, die ihre Interessen vertreten. Eine Zunft ist allerdings nicht nur die genossenschaftliche Vereinigung eines Berufsstandes, sie ist vor allem auch eine große Familie mit einem stark ausgeprägten Gemeinschaftsleben. Die Angehörigen einer Zunft feiern zusammen Feste, haben eine bestimmte Tracht und eine gemeinsame Flagge. Falls ein Handwerker einen tödlichen Arbeitsunfall erleidet, sorgt seine Zunft für die Hinterbliebenen.

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Familienleben im Mittelalter

Anders als heute gab es im Mittelalter zwischen Paaren vor der Ehe in der Regel keine tiefere persönliche Beziehung. Obwohl das Kirchenrecht die freie Einwilligung beider Partner als Voraussetzung für eine gültige Hochzeit ansah, wurden viele Ehen ohne vorherige Zustimmung des zukünftigen Paares von den Eltern arrangiert. Für viele Frauen begann mit der Hochzeit ein jahrelanges Martyrium. Die Menschen im Mittelalter heirateten sehr jung und hatten viele Kinder, die jedoch häufig schon in zartem Alter starben. Unbestrittene Familienhäupter waren die Männer, während die Frauen nur sehr wenige Rechte besaßen.

Der Ernst des Lebens begann für die Kinder im Mittelalter wesentlich früher als heute. Während der ersten sechs Lebensjahre konnten die meisten Kinder ihren Vergnügungen nachgehen, besondere Pflichten hatten sie nicht zu erfüllen. Mit dem siebten Lebensjahr endete jedoch für fast alle diese unbeschwerte Zeit, Bauernmädchen lernten weben, spinnen und kochen, und ihre Brüder halfen bei der schweren Feldarbeit, hüteten Vieh und versorgten die Tiere im Stall. Während Bauernkinder weiterhin in der Obhut ihrer Eltern blieben, verließen viele Kinder von Adligen mit sieben Jahren das Elternhaus. Zahlreiche Adlige schickten ihre Kinder in ein Kloster. Dort besuchten sie die Schule, um sich auf ein geistliches oder weltliches Amt vorzubereiten. Nicht wenige sollten jedoch nach dem Willen der Eltern Mönche werden, damit der Familienbesitz nicht durch die Aufteilung unter zu vielen Söhnen zerstückelt wurde. Vergleichbare Überlegungen konnten Eltern dazu veranlassen, ihre Töchter den Nonnen anzuvertrauen. Verbrachten sie das Leben im Kloster, blieben sie ledig und benötigten keine Mitgift. Die jungen Adligen, die nicht ins Kloster gingen, traten in den Dienst eines Burgherren, wo sie sich zum Knappen ausbilden ließen, um später in den Ritterstand einzutreten. Da ein Ritter nicht nur tapfer sondern auch gebildet sein sollte, umfasste die Ausbildung auch das Studium der sieben „freien Künste“, der Arithmetik, Geometrie, Astronomie, Musik, Dialektik, Grammatik und Rhetorik. Etiketteunterricht sollte dafür sorgen, dass der zukünftige Ritter nicht durch ungehobeltes Benehmen die Ehre seines Standes befleckte.

Kratze dich nicht am Kopf oder Rücken, als ob du einen Floh fangen wolltest, würge nicht, spucke nicht zu weit und lache und spreche nicht zu laut. Hüte dich davor Grimassen zu ziehen oder ärgerlich die Stirn zu runzeln. Und lass keine Lügen über deine Lippen kommen und sabbere nicht, lecke keine Schüsseln mit der Suppe nach Resten aus.

Diese guten Ratschläge aus einem englischen Anstandbuch bewirkten allerdings nur wenig, da die Ritter selbst ständig gegen sie verstießen.

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Schul- und Lehrjahre

Schulbildung war im Mittelalter keine Selbstverständlichkeit.

Für Bauernkinder war es nicht möglich, eine Schule zu besuchen. Adelige ließen ihre Kinder von Privatlehrern unterrichten oder schickten sie in Klosterschulen. In größeren Städten wurden immer mehr Elementarschulen gegründet, zusätzlich zu den Lateinschulen. Obwohl es noch keine allgemeine Schulpflicht gab, schickten viele Eltern ihre Kinder mit sieben Jahren oder sogar schon früher in die Ausbildungsstätten. In den Lateinschulen war das Lateinstudium und das Lesen der Bibel besonders wichtig. Die Kinder mussten Bibelverse, Gebete und Lieder auswendig lernen. Es durfte nur Latein gesprochen werden, Unterhaltung in der Muttersprache wurde bestraft.

Der Lehrplan in den Elementarschulen stimmte zwar teilweise mit dem der geistlichen Schulen überein, es wurde jedoch großer Wert auf Kenntnisse der Muttersprache und auf das Rechnen gelegt. Kaufleute und Handwerker schickten daher ihre Kinder lieber in Elementarschulen.

Die Eltern der Kinder mussten Schulgeld bezahlen, es war auch üblich, mit Naturalien zu bezahlen. Brennholz und Kerzen für die Beleuchtung wurden von den Eltern zur Verfügung gestellt.

Kinder mittelloser Eltern waren nicht grundsätzlich vom Schulbesuch ausgeschlossen. In vielen Fällen konnte das Schulgeld gekürzt oder sogar ganz erlassen werden.

Die Lehrer besaßen das Recht, die Schüler zu schlagen und machten davon ausgiebig Gebrauch. Es gibt viele schriftliche Erinnerungen ehemaliger Schüler, die von Züchtigungen berichten. Auf vielen mittelalterlichen Miniaturen kann man sehen wie Lehrer drohend die Rute erheben oder gerade einen Schüler schlagen.

Auch die Lehrjahre waren für junge Leute oft recht bittere Jahre.

Viele Schüler begannen nach der Schule eine Lehrlingsausbildung. Der Schulbesuch war dafür keine Voraussetzung. Die Meister verlangten allerdings von ihren Lehrlingen den Nachweis, dass sie „ehrlich“, also ehelich geboren waren. Das Alter der Lehrlinge, damals wurden sie Lehrknechte genannt, war in den verschiedenen Zünften unterschiedlich. Meist lag das Alter zwischen zehn und sechzehn Jahren.

Die Eltern zahlten dem Meister das Lehrgeld, der Frau des Lehrherrn das s.g. Nadelgeld. Dafür verpflichtete sich der Meister, den Lehrling auszubilden, ihn in seinen Haushalt aufzunehmen, zu verköstigen und für die Bekleidung zu sorgen.

Die Zeit der Ausbildung war lang, sie betrug je nach Zunft bis zu sieben Jahren, in Ausnahmefällen auch länger. Für viele Lehrlinge war das eine Leidenszeit, denn auch der Meister hatte das Recht den Lehrknecht zu schlagen. Als einzige Einschränkung galt, dass keine Wunden zugefügt werden durften. Eine Verordnung aus dem 14. Jh. besagte, dass ein Meister, der seinen Lehrling erschlägt mit der Todesstrafe rechnen musste. Offenbar war diese Verordnung eine traurige Notwendigkeit. So kann man gut verstehen, dass sich die meisten Lehrlinge danach sehnten endlich den Gesellenstand zu erreichen, denn dann begann die Zeit der Wanderschaft. Sie diente der Vertiefung der erworbenen Fähigkeiten.

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Die ersten Universitäten im Mittelalter

Das Wort „Universität" stammt vom lateinischen Wort universitas (Gesamtheit) ab. Es bezeichnete im Mittelalter nur die Lehrer und Schüler, die mit speziellen Rechten ausgestattet waren. Erst später wurden auch die Lehranstalten „Universität" genannt.

Im Laufe des Mittelalters entstanden in Europa rund 80 Hochschulen, die sich an die alten Kloster- und Domschulen anschlossen. Diese Hochschulen unterstanden dem Papst und waren internationale, kirchliche Institute. Der Lehrplan der mittelalterlichen Universitäten stand im Zeichen der Religion, und an den großen „Hohen Schulen" galt die Theologie als die Krone der Wissenschaften. Erst im Laufe der Jahrhunderte wurden die Universitäten mehr und mehr von der Kirche unabhängig.

Die erste Universität wurde 1119 in Bologna gegründet, es folgten Paris (1202) und Oxford (1214). Die erste deutsche Universität war in Prag, sie wurde im Jahre 1348 eingerichtet, gefolgt von Wien (1365) und Heidelberg (1386). Die meisten Universitäten entstanden in Frankreich und Italien, sowie in Spanien.

Bis zum 18. Jahrhundert konnte keine staatliche Macht in die Autorität der Universität eingreifen. Sie hatten eine eigene Gerichtsbarkeit und sowohl die Lehrer als auch die Studenten waren von der Steuer und vom Kriegsdienst befreit.

Das Studium fand am Anfang nicht, wie wir es heute kennen, in speziellen Räumlichkeiten statt, sondern einfach auf den Straßen. Es wurde unter Vordächern oder in Paris in den Kreuzgängen der Kathedrale, in Italien auf freien Plätzen oder vor Kirchentüren gelehrt. Erst allmählich wurden Räume gemietet. Dort saßen dann die Studenten auf dem strohbedeckten Boden. Erst im Spätmittelalter gab es Bänke oder Stühle.

Ende des 12. Jahrhunderts wurden die Universitäten in entsprechende Fakultäten eingeteilt. Es gab die Theologie-, die Juristen-, die Medizin-, die Philosophie- und die Artistenfakultät. Mit der „Artistenfakultät" hatte es etwas besonderes auf sich:

Für den Eintritt in die Universität war keinerlei Schulabschluss, nicht einmal ein Schulbesuch notwendig. Dafür gab es aber die Artistenfakultät, die von den neuen Studenten „Grünschnäbel" genannt, besucht werden musste. Hier gab es zwei Bereiche, das Trivium und das Quadrivium. Im ersten Bereich wurde Grammatik, Rhetorik und Logik unterrichtet. Nach drei bis acht Jahren konnte man die erste Prüfung ablegen. Hatte man diese geschafft, durfte man sich „Baccalaureus" nennen. Danach kam das Quadivium, dort wurden die Fächer Arithmetik, Geometrie, Musik und Astronomie unterrichtet. Nach weiteren ca. 2 Jahren konnte man die Abschlussprüfung der Artistenfakultät ablegen. Jetzt war man „Magister artium" und konnte mit dem eigentlichen Studium beginnen.

Die Professoren waren meist Kleriker. Bezahlt wurden sie von ihren Studenten, von denen sie sehr abhängig waren. Dies ging sogar soweit, dass die Professoren ohne die Erlaubnis der Studenten keinen Tag fehlen durften. Wollten sie die Stadt verlassen, mussten sie als Garantie für ihre baldige Rückkehr eine Geldsumme hinterlegen.

Studenten wachten auch darüber, dass der Lehrstoff vollständig behandelt wurde.

Am Anfang waren die Studenten meist Kleriker oder Söhne reicher Ratsherren. Die Söhne von Adeligen und die Mönche waren eher selten. Doch im 15. und 16. Jahrhundert stammten viele Studenten auch aus einfachen Bürgerfamilien. So bekamen sie ebenfalls eine Chance auf ein hohes Amt, denn Juristen waren sehr gefragt.

Für arme, d.h. mittellose Studenten gab es Gebührenfreiheit, sie erhielten kostenlose Unterkunft und Verpflegung. Das traf auf bis zu 20% der Studenten zu.

Die Studenten waren in der Regel männlich. Es gab nur eine Universität, die medizinische Hochschule von Salerno, die auch Frauen aufnahm.

Die Studenten waren bei ihrem Eintritt in die Universität oft erst 10 Jahre alt, einige sogar noch jünger. Da die meisten Studenten die Artistenfakultät besuchten, lag das Durchschnittsalter bei 12 Jahren. Das Studium dauerte zum Teil sehr lang. Für viele Studenten gab es ein gesichertes Einkommen, daher keinerlei Grund zur Eile. Sie konnten sich in aller Ruhe dem Studium der Wissenschaften widmen. So soll z.B. ein Nürnberger Ratsherr 12 Jahre studiert haben.

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Die Gerichtsbarkeit im Mittelalter

Die Phänomene der alten Strafgerichtsbarkeit faszinieren die Menschen bis heute. Sie fühlen sich etwa von den Hexenverfolgungen zugleich angezogen und abgestoßen. Vieles (wie die Prozesse gegen menschliche „Werwölfe", gegen Tiere und bereits Verstorbene) erscheint uns unverständlich. Fassungslos stehen wir vor der Grausamkeit dieser Zeit. Die Zeit war deshalb unmenschlich, weil sie sich am rächenden Gott des Alten Testamentes orientierte. Das Recht wurde bis in die frühe Neuzeit als Teil der göttlichen Schöpfungsordnung verstanden. So sah man den Verbrecher als den vom Teufel besessenen Sünder, der zur Besänftigung des erzürnten Gottes öffentlich und feierlich hinzurichten war. Nur vor diesem Hintergrund wird die Herausbildung des Inquisitionsverfahrens und die Folter zur Erpressung jeglichen Geständnisses verständlich.

Die Gerichtsbarkeit lag im Mittelalter in vielen Händen, es gab keine einheitliche Rechtsgrundlage. Trotzdem besaßen zahlreiche Urteile eine traurige Gemeinsamkeit: die unbeschreibliche Grausamkeit der Strafen.

Nach mittelalterlicher Auffassung war das Recht in die göttliche Ordnung eingebunden, doch tatsächlich herrschte meist das Recht des Stärkeren. Viele Adelige waren in Fehden verwickelt und übten Privatjustiz. Sie fielen in die Gebiete ihrer Feinde ein, verwüsteten deren Besitz und schreckten auch vor Mord nicht zurück. Zu den Leidtragenden zählten auch die Bauern, die im Dienst der betroffenen Grundherren standen. Ihre Häuser wurden zerstört, und wenn sie sich gegen diese Zerstörungswut zur Wehr setzten, schlug man sie einfach tot. Das Leben eines Leibeigenen zählte wenig in dieser Zeit der großen Rechtsunsicherheit. In Burgund und Südfrankreich gab es besonders viele Fehden, da es an einer starken Zentralgewalt fehlte. Die Kirche versuchte daher die schwächsten Gruppen der Bevölkerung zu schützen. So entstand im 10. Jh. eine „Gottesfriedensbewegung". Die Mittel zur Durchsetzung der Bestimmungen, die Leben und Eigentum der Schwachen schützen sollte, waren jedoch gering. Es wurde die „Waffenruhe Gottes" verkündet und oft gebrochen. Sie verbot die Fehde an bestimmten Feiertagen und in der Zeit von Donnerstag bis Sonntag.

Auch auf weltlicher Seite war man bemüht, die um sich greifende Gewalt einzudämmen. Landfriedensgesetze, die von Landesfürsten, Königen und Kaisern erlassen wurden, sollten das aufkommende Raubrittertum in seine Schranken weisen und Geistliche, Frauen, Kinder und Juden vor Übergriffen bewahren. Wer die nötige Macht besaß, musste allerdings auch bei schweren Rechtsbrüchen keine Verfolgung befürchten.

Dennoch bedeuteten die Gottes- und Landfrieden für die Menschen mehr Sicherheit. Adelige fühlten sich allerdings in ihren Freiheiten stark eingeschränkt und achteten die Vorschriften mehr aus Notwendigkeit als aus Einsicht.

Bis zum 13. Jh. wurden in Deutschland die meisten Rechtsstreitigkeiten aufgrund von mündlich überliefertem Gewohnheitsrecht entschieden. Der Kaiser galt als oberster Gesetzgeber. Trotzdem lag die Gerichtsbarkeit in den verschiedensten Händen. Landes- und Grundherren oder ihre Beauftragten richteten nach unterschiedlichen Gesetzen. Auch in den aufblühenden Städten gab es Gerichtsverhandlungen, wobei die Gesetze von Stadt zu Stadt verschieden waren.

Große Bedeutung für die mittelalterliche Rechtssprechung in Deutschland erlangte der „Sachsenspiegel", ein in den 20er Jahren des 13.Jh. von dem Ritter Eike von Repgow geschriebenes Rechtsbuch. Der Sachsenspiegel umfasste hauptsächlich das überlieferte Gewohnheitsrecht. Stammes- und Lehnrechtsbestimmungen sind so einleuchtend und klar verständlich dargestellt, dass der Sachsenspiegel Vorbild für weitere Rechtsbücher wurde. Als Urheber der Gesetze des Sachsenspiegels wurde Karl der Große angesehen.

Harte Strafen

Ob auf dem Gut eines Grundherrn oder vor einem Stadtgericht, ob im Dorf oder bei einer Gerichtssitzung eines Landesherren, die verhängten Strafen waren in der Regel von einer kaum vorstellbaren Grausamkeit.

Das häufigste Vergehen, der Diebstahl, wurde oft durch das Abhacken der Hand bestraft. Im Sachsenspiegel stand sogar, dass Diebe gehängt werden sollten.

Auspeitschungen und Verstümmelungen waren übliche Strafen. Manche Missetäter wurden gebrandmarkt um ihre Schuld für jedermann sichtbar zu machen. Kindesmörderinnen mussten damit rechnen, ertränkt zu werden. Man fesselte Arme und Beine der Verurteilten und warf sie von einer Brücke in einen Fluss oder einen See. Wer einen Kindesmord beging, konnte allerdings auch lebendig begraben oder gepfählt werden. Überführte „Hexen" und Ketzer pflegte man zu verbrennen, wobei es eine „Gnade" war, wenn man vorher erwürgt wurde. Eine besonders grausame Strafe wurde den Falschmünzern zugedacht. Sie wurden in einem Kessel mit heißem Öl regelrecht gesotten. Dagegen war die Strafe für Weinpanscher harmlos, sie wurden nackt durch die Straße geführt.

Verbreitete Strafen waren das Zwicken mit glühenden Zangen und das Blenden der Augen. Gotteslästerern konnte die Zunge herausgeschnitten oder mit einem Nagel durchbohrt werden. Eine oft angewandte Strafe für Diebstahl und andere Vergehen war das Schlitzen oder Abschneiden der Ohren. ( Das Wort „Schlitzohr" ist in unserem Sprachgebrauch noch immer üblich.)

Manchmal wurden Angeklagte auch zu Sühnezahlungen verurteilt. Fehden konnten dadurch beigelegt werden, dass man für das getötete Mitglied einer feindlichen Familie das sogenannte „Wergeld" bezahlte.

Eine weitverbreitete Methode zur Ermittlung des Schuld eines Angeklagten war das Gottesurteil. So ließ man Beschuldigte z.B. ein Stück glühendes Eisen anfassen und verband danach die verbrannte Hand. Nach einigen Tagen untersuchte man die Wunde, und wenn sie ohne Eiterbildung heilte, galt dies als Zeichen der Unschuld.

Viele Geständnisse wurden mit der Folter erpresst. Streckbank, Daumenschrauben und andere für uns unvorstellbare Torturen brachten die gewünschten

Aussagen. Die Foltermethoden wurden immer grausamer und führten häufig zum vorzeitigen Tod der Angeklagten.

Öffentliche Hinrichtungen

Im Mittelalter wurden die Verfahren öffentlich abgehalten, auch die Hinrichtungen fanden vor einer Menge von Schaulustigen statt und glichen großen Volksfesten. Mit gebundenen Händen führte man die Verurteilten zum Richtplatz. Manchmal fuhren die Todeskandidaten in einem Schinderkarren zur Richtstätte und wurden mit Zangen und anderen Folterwerkzeugen gequält.

Verbrecher niedriger Herkunft wurden meist gehängt, den Adeligen blieb die Hinrichtung mit der Axt vorbehalten, da dies als „ehrenvoller" galt.

Verallgemeinernd kann man sagen: Die mittelalterlichen Menschen waren – über das Phänomen ihrer Grausamkeit hinaus – keine Verstandesmenschen von nüchterner Rationalität, sondern sie erscheinen uns heute naiv, leidenschaftlich, vielleicht sogar kindlich. Wie man zum Leben stand, so betrachtete man auch das Sterben. Der Tod war bei der Kürze des Lebens, der vielen blutigen Gewalt, der Hilflosigkeit gegenüber von Krankheiten stets gegenwärtig. Deshalb waren die Menschen ihm gegenüber unbefangen, sie redeten über ihn, weil sie ihn unmittelbar an den vor ihren Augen sterbenden Mitmenschen erfahren mussten. Diese Allgegenwärtigkeit des Todes machte ihn zum Inhalt des täglichen Lebens. So bereitete man sein Begräbnis vor und kaufte sich ein Grab in der Nähe der Kirche. Das Begräbnis sollte ein letztes Fest werden. Die Sehnsucht des mittelalterlichen Menschen war in erster Linie auf sein seliges Ende gerichtet, er wollte mit Gott ausgesöhnt sterben. Man hatte furchtbare Angst vor den Qualen der Hölle, die in den schrecklichsten Farben fortwährend gepredigt und vor Augen gestellt wurden.

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Die Ernährung im Mittelalter

Fast 90% der mittelalterlichen Gesellschaft stellten Bauern dar. Die Landwirtschaft spielte eine große Rolle. Dennoch steht der Bauer mit seinem Leben, seiner Arbeit und seiner Leistung nur begrenzt im Blickpunkt des Interesses.

Es ist nicht einfach, etwas über die tägliche Kost der großen Massen zu erfahren, denn die Armen haben keine Archive hinterlassen. Überliefertes über Küche und Vorräte geben vorwiegend Aufschluss über den Adel, manchmal auch noch über das Bürgertum. Kochbücher entstanden nur im Umfeld des Adels, Bauern waren zumeist Analphabeten.

Die Archäologie hilft hier weiter, denn Ausgrabungen haben es ermöglicht, das Leben und Umfeld etwas zu rekonstruieren und dadurch festzustellen, wie die Alltagskost der Bevölkerungsmehrheit aussah. Man erhält einen Eindruck davon, wie ungesichert die Versorgung mit dem Nötigsten zu jener Zeit war. Die Angst vor Hunger bestimmte das Alltagsleben der Menschen. Dem Adel gehörte das Jagd- und Fischrecht, und die Bauern lieferten Obst und Gemüse und was sonst noch in der Hofküche benötigt wurde.

Im Gegensatz zum Adel lebten Bürger und Bauern sehr genügsam, oft in Armut und Not. Sie mussten sich den Spottnamen „Kraut- und Rübenfresser" gefallen lassen. Zur Sicherung des Lebensunterhaltes waren jedoch Herr und Bauer aufeinander angewiesen. Natürlich hat oft der Mächtigere den Schwächeren ausgenutzt.

 

Der Speisezettel richtete sich immer danach, was die jeweilige Jahreszeit hergab und wie die Ernte ausfiel. Wenn es wieder einmal viel zu essen gab, wurde üppig getafelt, denn es gab große Schwankungen zwischen Überfluss und Mangel.

Selbst die Verfügbarkeit von Fleisch war von der Jahreszeit abhängig. Es gab noch wenig Konservierungs- und Kühlmöglichkeiten. Die Schlachtzeit fiel in die kühle Jahreszeit, Oktober/November. So brauchten die Tiere nicht durch den Winter gefüttert werden.

Auch der Kirchenkalender bestimmte den Speiseplan, denn er teilte das Jahr in Fasten- und Nichtfastenzeit ein. Die Einschränkung bezog sich meist auf Fleisch, tierische Fette, Öl, Eier, Milchprodukte und Wein. Ausnahmeregelungen gab es für Kranke, Schwangere, Ammen, Arme, Kleinkinder und für alte Menschen. Doch auch strenge Enthaltsamkeit bei Fleischgenuss auch für diese Personen. Fisch, Gemüse und Getreide durfte man an Fastentagen essen. Es gab Bußstrafen für Vergehen. Strafen waren z.B. jahrelanges Leben von Wasser und Brot oder langer Verzicht auf Fleisch und Wein.

Die Fastenzeit umfasste viele Tage, so dass kaum mehr als 230 „Fleischtage" zu verzeichnen waren. Um so mehr langte man an diesen Tagen zu und aß, der Überlieferung zufolge, riesige Mengen an Fleisch.

Das Grundnahrungsmittel war das Getreide.

Getreide wurde vorwiegend als Brei oder Suppe gegessen, dazu manchmal auch Gemüse, Eier, selten Fleisch. Das Ursprungsgetreide ist das Einkorn, heute wieder ganz neu entdeckt und in manchen Naturkostläden erhältlich. Es ist besonders für Allergiker geeignet, die unser heutiges Zuchtgetreide nicht vertragen. Nach dem Einkorn kam der Emmer, dann gab es Dinkel, Gerste, Hafer, Hirse und Roggen. Weitere Eckpfeiler der ländlichen Küche waren Brot und Hülsenfrüchte. Nahrungsmittel wie Kartoffeln, Tomaten oder Mais waren noch nicht bekannt, sie kamen erst später aus der Neuen Welt nach Europa. Die Oberschicht hatte Weizenbrot, und die untere Schicht Schwarzbrot, vorwiegend aus Gerste und Hafer. Selbst in Hungerzeiten versuchte man Brot herzustellen oft aus ungeeigneten Produkten wie z.B. aus Kastanien oder Bohnen.

Getreide wurde auch benötigt um Bier zu brauen. Wein galt als feines Getränk der oberen Schicht, es war Symbol für Zivilisation.

Obst und Gemüse hatten keineswegs den selben sozialen Wert. Während Obst durchaus Bestandteil der adeligen Kost sein konnte, galt dies auf keinen Fall für Kohl und Wurzelgemüse oder Kräuter, diese waren typische Armenkost. Beeren und wilde Früchte waren eine nicht zu verachtende Zusatzkost, vor allem in Hungerzeiten.

Die Jagdbeute war wichtiger Bestandteil in der Küche des Adels, sie sorgte für Vielfalt. Große und kleine Säugetiere und vor allem Vögel wurden erlegt. Auch für uns heute ungewöhnlich, Krähen, Dohlen, Reiher, Rohrdommel, Kormoran, Storch und Elster kamen auf die Tafel.

Der Adel war darauf bedacht, sich neben dem Jagdrecht auch das Fischrecht in Teichen und Flüssen zu sichern. Allerdings wurden aufgrund der Zwänge während der Fastenzeit Süßwasserfische von allen Mitgliedern der Gesellschaft reichlich verzehrt. Nach christlichem Denken hatte der Fisch einen hohen Symbolwert. Die Mehrzahl der Gläubigen aber betrachtete Fisch vor allem als lästigen Zwang.

Gewürze waren wertvolle Waren. Auch als Konservierungs- und Heilmittel. Manche Gewürze kamen über die arabische Medizin nach Europa.

Fast allen Fleischgerichten wurde Essig zugefügt. Pfeffer und Nelken haben ebenso keimhemmende Wirkung. Man liebte es auch, sehr scharf zu essen. Dadurch übertönte man den hervorstechenden Geschmack von Salz, das ja auch als Konservierungsmittel notwendig war.

Ein festliches Menü in Adelskreisen bestand auch ca. 15 – 20 Gängen. Zunächst gab es Met, danach Brot mit Schmalz, es folgten Eiergerichte, Pasteten und Spießbraten mit allerlei Beilagen. Suppen wurden zwischendurch oder am Ende eines Menüs gereicht, denn sie sollten die Verdauung anregen. Zum Schluss wurden phantasievoll hergestellte Süßspeisen aufgetischt. Zucker war Medikament in der Krankenkost, er war sehr kostbar und wurde in Apotheken verkauft. Zucker und damit gesüßte Speisen waren ein Privileg der oberen Schichten und galten als deren Statussymbol.

Was die Gesundheit betraf, so hatten die Reichen oft Gicht und andere Zipperlein, während die Bauern und die ärmere Schicht zwangsweise wesentlich gesünder aßen.

Die wichtigsten Essgeräte des Mittelalters waren Löffel und Messer und die Hände. Die Gabel mit geraden Zinken diente nur zum Aufspießen von Fleisch, das zerschnitten werden sollte. Erst im 17. Jh. gehörte die mit gebogenen Zinken versehen Gabel zum allgemein üblichen Besteck. Messer trug man in einem Futteral ständig bei sich, und auch als Gast benutzte man oft das eigene Messer. Man aß von großen Platten, Tellern und aus Schüsseln, die meist aus Holz, in vornehmen Haushalten jedoch aus Zinn waren. Da es allgemein üblich war, die Speisen mit der Hand auf den Teller oder auf ein Stück Brot zu legen, standen mit Wasser gefüllte Gefäße auf dem Tisch und lagen Tücher zur Reinigung bereit.

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