Wienertor:             (Auszug aus dem DEHIO)

DEHIO NIEDERÖSTERREICH südl. der Donau, Teil 1, Ausgabe 2003, S 683 ff

Bereits 1272 urk. „porta winnensa“ genannt, bedeutendstes österreichisches Stadttor des 13. Jhts. – Um 1230/40 Errichtung eines hochrepräsentativen Torbaues in enger Anlehnung an westseuropäische Vorbilder, mit flächiger Buckelquaderverkleidung zur Stadtaußenseite, die mittige spitzbogige Tordurchfahrt von 2 sich nach W bastionsartig vorrundenden Bauteilen flankiert, der obere Abschluss nicht rekonstruierbar.

Um 1270/90 (wohl 1266/70, dendrochronologisch dat.) unter Abtragung der oberen Quaderlagen um 2 Wehrgeschosse erhöht, dabei der Torweg zwischen den beiden Bastionen mit Hilfe einer bautechnisch kühnen Spitzbogenkonstruktion überbaut, gleichzeitig Einsetzen der beiden Torwächterskulpturen; das obere Wehrgeschoß urspr. mit vorkragenden überdachten Wehrgang. – Im 16. Jh. u. a. Abbruch des Wehganges und Aufsetzen des neuen Dachwerks. – Ende 19. Jh. und A. 20. Jh. Ausbruch von 2 Fußgängerdurchgängen in den Bastionen; 1976/77 Außenrest.

Äußeres.Stadtaußenseite. Der Torbau der 1. Bauphase (um 1230/40) an der Straßenaußenseite mit weitgehend verschüttetem Thalus und Buckelquaderverkleidung; bemerkenswert. die 9 teilweise vermauerten, an den Bastionen dekorativ gruppierten Langscharten (nicht funktional sondern architektonisches Zitat). An der NW-Seite der nördl. Bastion ein Buckelquader mit reliefiertem wurmartigem Fabelwesen ( vgl. Ungartor). - Das Spitzbogentor mit Ausnehmung für ein Fallgatter, an den inneren Bogensteinen zahlreiche Steinmetzzeichen. Im Torbereich seitl. 2 sekundär eingesetzte Ritterfiguren in Hochrelief (sogen. Torwächter), um 1270/90, hohe künstlerische Qualität, die südl. Figur stark beschädigt

Die beiden oberen Wehrgeschosse um 1270/90 (wohl 1266/70) in kleinteiligem Bruchsteinmauerwerk mit niedrigen Ausgleichslagen. Beeindruckende technische Konstruktion zur Vereinheitlichung der westl. Bauflucht, die Außenmauer des oberen Wehrgeschosses von einem auf 2 mächtige konsolenartige Vorsprünge gesetzten Spitzbogen getragen, in seinem Scheitel Ausnehmung in Form eines geschweiften Kreuzes. - Das untere, noch mittig zurückspringende Wehrgeschoß mit Schartenöffnungen, das obere Wehrgeschoß urspr. mit vorkragendem überdachten Wehrgang, dieser im 16.Jh. abgebrochen (dabei das rechteckige Werksteinportal zu Fenster abgemauert, die Balkenlöcher bei letzter Restaurierung verschlossen, 2 Auflagekragsteine der Dachkonstruktion erhalten). Im oberen Bereich 6 in die Mauerschale eingesetzte apotropäische Steinkugeln und eine Schlüsselscharte, 16. Jh.

Stadtinnenseite Die 1. Bauphase in hochwertiger Quadertechnik; die mittige, leicht spitzbogige Durchfahrt von 2 bemerkenswerten rundbogigen Tympanonportalen flankiert, ursprünglich gefast (seitlich abgearbeitet), das Tympanon je auf profilierten Kragsteinen. -Im 1. Obergeschoß oberhalb der Tordurchfahrt spitzbogiges Biforenfenster mit (spolierter ?) vorkragender kugelbesetzter Sohlbank (um 1279/1290 eingesetzt), bis zur Unkenntlichkeit verändert, das 2. Obergeschoß mit 2 neuzeitlich verkleinerten Rechteckfenstern, um 1279/90; im nördl. Teil 5 sekundär eingesetzte Kragsteine.

Inneres. Die 2 Tympanonportale je zu kleinem Vorraum, von hier die seitl. der Durchfahrt gelegenen, 2jochig kreuzrippengewölbten Räume (schwere, gefaste konsolartig anlaufende Rippen) und die beiden in die seitl. Außenmauern eingelassenen Stiegenaufgänge zu betreten. – In den oberen Geschossenseit 1936 Hainburger Heimatmuseum (u.a. mit Spolien des 13.Jhs.) und Außenstelle des Österreichischen Tabakmuseums; im 3. Obergeschoß Inschr. 17.Jh. von hier untergebrachter Rüstkammer. Bemerkenswertes Dachwerk 16.Jh. (?)