Ungartor:             (Auszug aus dem DEHIO)

DEHIO NIEDERÖSTERREICH südl. der Donau, Teil 1, Ausgabe 2003, S 683 ff

Von O in die Stadt führend, bedeutendes in 2 Bauphasen entstandenes Stadttor des 13. Jhs. – Um 1230/40 Err. einer flächig mit Buckelquadern verkleideten Turm-Torbau-Ensembles, schräg zur Stadtmauer gestellt und noch auf die Alte Poststraße zugerichtet. Um 1270/90 (vgl. Wiener Tor) Erhöhung und Vereinheitlichung zu einem blockhaften Baukörper mit Zinnenabschluss; im 15. Jh. Err. eines gemauerten Torzwingers, im 16.Jh. (?) Vermauerung der Zinnen.

Äußeres: Stadtaußenseite und Tordurchfahrt. An der Stadtaußenseite zeichnen sich der bergseitige, über Scharten belichteter Turm und der Torbau in der 1. Bauphase (um 1230/40) mit ihrer einheitlichen Buckelquaderschale (zahlreiche Steinmetzzeichen) deutlich ab. –

In der 2. Bauphase (1270/90) Vereinheitlichung von Turm und Torbau zu heutiger Form; Schale aus spolierten (?) Buckelquadern bis auf Höhe des Turmes, von ihm durch deutliche vertikale Baufuge abgesetzt, sonst kleinteiliges Bruchsteinmauerwerk mit hohem Mörtelanteil, teilweise auch mit durchgehenden Abgleichslagen. Oberhalb des Tores Balkenlöcher eines vorkragenden überdachten Wehrganges, der ehem. Ausstieg zu Fenster abgemauert, ein Auflagerkragstein der Dachkonstruktion erhalten; Reste der neuzeitlich vermauerten Zinnen. An der S-Seite aus der 2. Bauphase großer Ausgussstein und Reste eines Aborterkers. Die 2 Rundbogenöffnungen der Tordurchfahrt mit schrägem Sockel- sowie Kämpfergesims und Ausnehmungen für Fallgatter, nachträgliches Kreuzgratgewölbe.
Photo Witt

Stadtinnenseite Turm und Torbau der 1 Bauphase in gleicher Weise wie an der Außenseite überbaut. Hocheingang in das 1. Obergeschoß des Turmes an der S-Seite, rechteckiges Buckelquaderportal, Reste der mit der Stadtmauer mitgemauerten Stiege; an der Stadtseitigen Turmfassade Buckelquader mit reliefiertem wurmartigen Fabelwesen1 (vgl. Wiener Tor). – In der Buckelquaderschale der 2. Bauphase ein Rechteckportal (über gemauerter Stiege zugänglich) und rechteckiges Fenster, Kragsteine eines primären , im 16. Jh. (?) abgemauerten Wehrerkers im oberen Wehrgeschoß oberhalb des Torweges

Photo Witt

 

Inneres: Modern adaptiert und damit weit gehend unter Putz, Innenschale des Turmes aus sorgfältig zugerichteten Quadern, im Torbau massiver Entlastungsbogen um 1270/90 oberhalb des äußeren Torbogens; Seilwinde zum Aufziehen des Fallgatters.

Torzwinger. Nach O an das Ungartor anschließend Wehmauer eines spätgotischen Torzwingers; 3 große Schießnischen mit profilierten Werkstein-Segmentbögen, nur die westl. noch mit rechteckiger Schießscharte erhalten; eine 4. kleinere Schießscharte sekundär zu Schlüsselscharte umgestaltet. Die NO-Ecke pfeilerartig hervorgehoben, Quader mit spätgotischen Steinmetzzeichen.

J.J.Kirchner, um 1873

 

Seit einigen Jahren dient das Ungartor den Hainburger Seepfadfindern "Viribus Unitis" als Unterkunft.

 

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1 Eine neue Deutung des "wurmartigen Fabelwesens" gibt Jobst in einem Vortrag