ÖSTERREICHISCHER STÄDTEATLAS     HAINBURG
Herausgeber:
Wiener Stadt- und Landesarchiv, Wien
Ludwig Boltzmann Instiut für Stadtgeschichtsforschung, Wien Österreichischer Arbeitskreis für Stadtgeschichtsforschung, Linz
7. Lieferung 2002

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Der vollständigen Text zum Städteatlas von Claudia Pils und Stefan Scholz: Text-Städteatlas
Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung des Herausgebers und der Autoren

Der folgende Text ist dem DEHIO - Handbuch NIEDERÖSTERREICH südlich der Donau,  Teil1 Ausgabe 2003  Seite 677 entnommen. Fotos: H.C.Mayer

     Siedlungsbereich ab 1050 bis 3.Viertel 12.Jh.
     Siedlungsbereich 4.Viertel 12.Jh. bis Mitte 13.Jh.
     2.Hälfte 13.Jh. bis 1300

Stadtstruktur und Verbauung: Die in den 3 Flussterrassen (Ufer-, Nieder- und Hochterrasse) der Donau ansteigende Altstadt über annähernd trapezförmiger Fläche, von der Stadtbefestigung auf einer Länge von urspr. 2,59 km  umschlossen (2,15 km erhalten); die Stadtmauer  an der  O- und S- Seite fließend in die Burgbefestigung auf dem Schlossberg übergehend und mit ihr einen Befestigungskomplex in Dreiecksform mit der Donauseite als Basis bildend.

Auf der Hochterrasse nach 1050 entstandener  Siedlungskern um die ehemalige Martinskirche, an einer Abzweigung von der frühmittelalterlichen "Ungarn Straße" zur Burg (heute Freiungs- bzw. Alte Poststraße; alle anderen Straßenzüge auf der Hochterrasse neuzeitlich).

Durch Siedlungsausdehnung E.12. Jh. Anlage einer systematischen hochmittelalterlichen Verbauung um eine rechteckigen, urspr. ca.182x115m großen Marktplatz auf der Niederterrasse und Verlegung der Handelsstraße an dessen südl. Längsseite (Hauptstraße).

Die Siedlungsentwicklung ist im Straßenbild klar erkennbar:  Heutige Wiener Straße auf Wiener-Tor und Alte Poststraße auf Ungartor ausgerichtet, letztere durch die westliche Stadtbefestigung abgeschnitten. Hauer- und Oppitzgasse bilden die nördliche Längsseite des Platzes, von ihrer Mitte aus führt die Blutgasse durch das Fischertor zur Donau. In  die südl. Platzecken münden im rechten Winkel die Kirchen- und Zehetnergasse,  ebenso im W der Niederterrasse rechtwinkelige Straßensystems. Im Spätmittelalter intensive Besiedlung des Donauuferstreifens außerhalb der Stadtbefestigung  (sogen. Gstetten); innerhalb der Stadtmauer  Siedlungsverdichtung, Verengung: des Hauptplatzes durch Einfügen von 3 Häuserblöcken im N und SO, dadurch Entstehung des Klosterplatzes im N,. einige mittelalterliche Straßen und Gassen durch Zusammenlegung von Öd- und Brandstätten nach 1683 abgekommen.

Um den Hauptplatz sowie an den von ihm ausgehenden Straßen (Wiener- und Ungarstraße) und Gassen  meist urbane, überwiegend 3geschoßige Verbauung mit Bürger- und Ackerbürgerhäusern auf den, dem mittelalterlichen Planschema folgenden rechteckigen Parzellen. Die Hausanlagen meist mit tiefen Hofflügeln (Hauptplatz N-Seite, Wiener- und Ungarstraße), z. T. mit Scheunendurchfahrten (Owesny)  oder Hinterhäusern, vielfach mit verzweigten Kellern.

Die meist 2geschoßigen und traufständigen Platz- bzw. Straßentrakte in der überkommenen Bausubstanz 15. und 16. Jh. z. T. auch 14. Jh., meist mit Ziegeldächern, die Putzfronten vielfach mit steinernen Portal-. z. T. und Fenstergewände 15.- 17. Jh. und überwiegend schlichten, z. T. barock bzw. nach dem Brand von 1827 erneuerten klassizistischen oder späthistorischen Fassaden.

Vielfach auf die mittelalterliche Substanz zurückgehende gewölbte Einfahrten, und meist zu Geschäften umgebaute Erdgeschoßräume, in manchen Einfahrten die Sitznischen aus dem 14. Jh. erhalten.

Die Obergeschoße vereinzelt mit bar. Stuckdecken auf, z. T. Hofarkaden 16./1H. 17. Jh. die übrigen Gassen, v.a. auf der Hochterrasse und im N-Bereich, mit kleinteiliger  dörflicher Verbauung und unverbauten Freiflächen.

Stadtbild noch heute geprägt durch die großen Areale der ehem. Ministerialen-Stadthöfe (Götzenhof an der NO-Ecke der Stadtbefestigung, Schützenhof "Haus der Theodora" an der SO-Ecke; Meierhof an der SW-Ecke der Stadtbefestigung) sowie der ehem. Klöster (Minoritenkloster an der NW-Ecke, Franziskanerkloster, Klosterplatz)

Siedlungserweiterung um den ummauerten Altstadtbereich ab der 2. H. !9. Jh. Anlage der Hummelstraße im östlichen Stadtgraben und Verbauung an den Abhängen des Schloss- und Braunsberges v. a. mit Wohn- und Einfamilienhäusern. Ähnliche Verbauung an den Ausfallsstraßen, an der nach W führenden Landstraße und der nach O führenden Pressburgerstraße. - Größere, einheitlich konzipierte Wohnhausanlagen der 1920er Jahre err. von der Österreichischen Tabakregie: Gemeinnützige Siedlungsgenossenschaft Riedenhof mit Wohnhäusern am Beginn der Landstraße/Dorrekstraße und am Nibelungenplatz.