Studienreise nach Kampanien

2.-8.5.2009

Begleitung durch Herrn Univ.-Prof. Dr. Werner Jobst

Reiseverlauf mit kurzer Beschreibung

Organisation durch ÖAMTCREISEN
2.5.2010    Stadtrundfahrt - Vesuv                 
0730 Abflug von Wien nach Rom (keine direkte Verbindung nach Neapel), Weiterfahrt mit dem Bus.  Stadtrundfahrt.

Am 29.Oktober 1268 wurden der letzte Babenberger Friedrich, ein Großneffe Herzog Friedrichs II und der letzte Staufer Konradin im Konflikt mit Papst Clemens IV und dem Sohn des französischen Königs im historischen Stadtzentrum hingerichtet.

Castel Nuovo, seit 1279 in mehreren Etappen erbaut, diente einst als königliche Residenz,
der Prunksaal wird noch heute für politisch-repräsentative Zwecke und als Tagungsort für das kampanische Regionalparlament verwendet.
Der Vesuv , fast 1300m hoch, im Bild rechts, von Neapel aus gesehen.
In der Antike galt er als erloschen, einem Beben im Jahr 62 und mehreren Erdstößen anfangs August 79 wurden keine Bedeutung geschenkt. Am 24.8.79 ereignete sich die Katastrophe, die von Plinius dem Jüngeren eindringlich geschildert wird. Dieser Bericht dient nicht nur der Wissenschaft sondern auch zahlreichen Publikationen (z.B. "Die letzten Tage von Pompeji") als Grundlage
Mit dem Bus kommt man auf einer engen Straße ziemlich weit den Berg hinauf. Ohne oftmaliges Hupen und exzellentem Können der Buslenker ist die unübersichtliche Straße nicht zu bewältigen.
Die letzten 200 Höhenmeter müssen erwandern werden. Es ist schwer vorstellbar, dass wir über fruchtbare Hänge gehen.
Der Krater, ca 500m im Durchmesser und etwa 200m tief, steil abfallend, völlig ruhig. Ein kleines Wölkchen, links im Bild zeigt aber, dass Hephaistos noch nicht tot ist.
3.5.2010 Pompeji
Einst eine ländliche Kleinstadt, deren Bewohnern Zeit genug blieb, sich in Sicherheit zu bringen, erst 24 Stunden nach Beginn des Ausbruchs wurde Lage lebensgefährlich.
Heute bietet die aus Lavaschutt ausgegrabenen Stadt einen Einblick in den römischen Alltag. Geschäfte, Häuser, Straßen mit Wagenrillen, Abwasserkanäle, Fußgängerstge, Wandmalereien.
Seit der Wiederentdeckung im 18 Jhdt. wurde vieles mehrfach restauriert, manches neu gebaut, authentisch ist das Wenigste.
Beeindruckend war, daß alles von einer viele Meter dicken Lavaschicht bedeckt, lange Zeit verborgen war.
Innerhalb der Stadtmauern gab es Weingärten. Archäologen konnten nicht nur deren Lage feststellen,  Verfärbungen im Boden zeigten die Standorte der Reben an. Genau an diesen historisch belegten Stellen stehen nun wieder Reben, werden betreut, der Wein wird geerntet und zu Liebhaberpreisen verkauft. 
An mehreren Punkten der Stadt werden Gipsabdrücke  von Personen in den letzten Augenblicken ihres Lebens gezeigt. Die Leichen verwesten, in der erstarrten Ascheschicht bildeten sich Hohlräume, diese dienten als Gußform.
Das Amphitheater war, wie auch heute, meist außerhalb der Stadtmitte angelegt (mögliche Ausschreitungen - das gab es auch schon in der Antike - konnten leichter kontrolliert werden.
Zahlreiche Zugänge und die Abgrenzung in einzelne Sektoren ermöglichten eine schnelle Räumung.
Es fasste ca.20000 Personen, mehr als Pompeji Einwohner hatte.
Auf dem Forum befanden sich Amtsgebäude, verschiedene Tempel (im Bild der dem Apollo geweihte).
Im Zentrum der Altstadt waren zahlreiche Gewerbebetriebe angesiedelt. Bäcker (die Kornmühlen sind noch gut erkennbar), Schmiede, Weber, Tischler, Imbissräume für warme Speisen und Getränke und mehrere Bordelle konnten lokalisiert werden.
4.5.2010 Neapel - Katakomben
Die Galleria Umberto, eine der Glas-Eisen-Gallerien der 1880er Jahre, stellte einen massiven Eingriff in das historische Stadtbild dar.
Heute laden Geschäfte, Cafes und Bars zum Verweilen ein.
Schon seit der Antike nutzte man die Möglichkeit in das weiche Tuffgestein Höhlen für verschiedene Verwendungen zu graben. Wasserversorgung,  Bestattungen, Waffenkammern, Notbehausung, Zuflucht vor den Bombenangriffen, Tiefgarage sind nur einige der Möglichkeiten.
Die Katakombe San Gennaro konnten wir besuchen. Drei Arten von Gräbern ( in den Boden eingegraben, in die Wände eingelassen, mit Fresken und Mosaiken ausgestatte Anlagen) waren gebräuchlich.
Das Nationalmuseum  beherbergt in einem Bau mehrere Museen u.a. eine bemerkenswerte Gemäldesammlung  mit Werken von Tizian, Caravaggio, El Greco..

Im obersten Geschoß wird moderne Kunst gezeigt. Andy Warhols Vesuvausbruch, - er war wirklich schrecklich - und einige schwer verständliche Arbeiten sind zu sehen.
5.5.2010 Capri
In der Steinzeit mit dem Festland verbunden, von Griechen besiedelt, unwegsam, 800 Stufen - 5.Jhdt.v.Ch. , in den Fels geschlagen, bildeten bis 1880 die einzige Verbindung nach Anacapri.
Unter Kaiser Augustus  wurde die Insel zum kaiserlichen Refugium.
Tiberius errichtet 12  (für jeden Monat eine) Villen. Das Bild zeigt das "Rosengärtlein" des Kaisers.
Nach Tiberius wurde Capri als Verbannungsort für politisch unliebsame Personen genützt.
Noch für Goethe war Capri nur eine "gefährliche Felseninsel", die er lieber aus der Ferne sah.
Die Wiederentdeckung der Blauen Grotte zur Zeit der Romatik führte zu einem Ansturm von Exzentrikern aller Art.
Über eine Straße "mama mia" genannt, gelangt man zu 
Axel Munthe, dem Arzt von San Michele (verfilmt mit O.W.Fischer). Er ließ eine Villa erbauen, deren prachtvolle Gartenanlage bekannt ist.
Rechts der Blick vom Garten zum Hafen, im Hintergrund  Sorent.
Die Villa ist heute in schwedischem Besitz
Auf Initiative Alfred Krupps - Besitzer der Villa Krupp - wurde dem Felsen die nach ihm benannte Straße (Bild rechts) abgerungen.

Fährschiffe bringen fast 2 Millionen Besucher (vorwiegend Tagestouristen) auf die Insel, dem entsprechend groß ist die Unrast in der Stadt. 
Die einstündige Wanderung zur Villa Jovis, sie wird nur von wenigen Gästen besucht, hat uns die ruhige Seite der Insel erleben lassen.
6.5.2010 Amalfiküste

Der Dom San Andrea in Amalfi wurde in normannisch-arabischem Stil  um 1200 erbaut. Berühmt ist das 2-flügelige Bronzetor, gegen Ende des 11.Jhdts. in Konstantinopel hergestellt.
Der Campanile wird als Muster für das Zusammenwirken verschiedener Baustile  angesehen.

In der barockisierten Krypta werden werden die Gebeine des Apostel Andreas als Reliquien aufbewahrt.

Der Dom von Ravello aus dem 12. Jh., weitgehend entbarockisiert, zeigt eine prunkvolle Kanzel, auf 6 Säulen mit Löwenbasen ruhend. Sie erinnert an islamische Vorbilder und wird als das besterhaltene Kunstwerk dieser Art unter mehreren ähnlichen Bauten in Kampanien angesehen.

Die Villa Rufolo  war Sitz einer reichen Adelsfamilie. Der Kern der Villa ist aus dem 13.Jhdt. Die Gartenanlage bietet einen schönen Panoramablick auf die Küste. Bei Boccaccio ist die Villa Schauplatz des Decamerone.
Richard Wagner hat hier Klingsors Zaubergarten gefunden. Ihm zu Ehren finden jährlich Konzerte statt.
Das "Europäische Institut für  Denkmalpflege" hat hier in eine Niederlassung.
7.5.2010 Salerno - Paestum

Als Hafenstadt wurde Salerno in günstiger topographischer Lage über Jahrtausende besiedelt. Die räumliche Enge führte dazu, dass neue Bauphasen ältere überdeckt haben. 
Von der Stadt der Langobarden und Normannen ist auch in der Altstadt wenig zu sehen.
Die Straße rechts führt vom Hafen zum Dom und dann weiter zu einer Papiermühle. Während der Besichtigung ging ein Wolkenbruch über der Stadt nieder. Das war die einzige Beeinträchtigung durch das Wetter während der ganzen Woche. Wir hatten Glück.

Durch einen Atriumhof, umgeben von schlanken Säulen, gelangt man zum Dom.
Der Dom von Salerno - dem Apostel Matthäus geweiht - wurde Ende des 11.Jhdts von Normannen in nur 9 Jahren erbaut. Die Bronzetüren im romanischen Portal sind byzantinische Arbeit. Die im 17.Jh. barockisierte Kirche wurde nach 1945 (durch alliierte  Bombenangriffe stark beschädigt) in ihren ursprünglichen Bauzustand rückgebaut.

Paestum, im 7.Jhdt v.Ch. von griechischen Kollonisatoren gegründet, im 10.Jhdt. wegen Versumpfung der Ebene aufgegeben, wird als "griechisches Pompeji" bezeichnet. Herausragend aus den röm. Resten der Stadt (umschlossen von einer ca. 5km langen und 5m breiten Stadtmeuer) sind die drei großen griechischen Tempel. Jeder von ihnen repräsentiert eine Entwicklungsstufe in der dorischen Architektur.
Um 550 v. Heratempel oder Basilika,
um 500 v. Athenatempel
um 450 v. Poseidontempel.
Die Bauwerke entstanden nicht aus religiösen Gründen, sondern um als Gemeinschaftsleistung divergierende Interessen Einzelner oder verschiedener Bevölkerungsteile zu bündeln.
Gleichzeitig wirkten sie nach außen, um die wirtschaftliche und technische Leistungsfähigkeit der Stadt zu zeigen.
Die geschwungenen Konturen der Säulen oder die Krümmung der Basis (diese ist nicht eben, sondern der Ausschnitt einer rieseigen Kugel) beweisen das hohe handwerkliche Können und wurden bezw. werden noch heute bewundert.
Johann Winckelmann (1760) , der Begründer der klassischen Archäologie, erforschte an diesen Beispielen griechische Architektur. Griechenland war als Teil des osman. Reiches schwer zugänglich. 
8.5.2010 Herculaneum - arch.Nationalmuseum
Herculaneum
Hafenstadt, ca 3000 Menschen, vornehmlich Fischer, sehr sorgfältig restaurierte Ruinen, ca 1/3 ausgegraben, legt in mitten der modernen Stadt. 
Der Ort wurde beim Vulkanausbruch von einer Schlammlawine überrollt, die den Bewohnern keine Zeit zur Flucht ließ. Die Reste von 150 Personen wurden am Hafen, vom Schlamm überrollt, gefunden. Die Schlammkruste ist ist bis zu 20m dick, nahezu versteinert, schwer abbaubar.
Der im Bild grüne Bereich liegt auf Meeresniveau und zeigt den ehemaligen Hafen, Grundwasser wird ständig abgepumpt.
Die besondere Zusammensetzung der Schlammlawine hat bewirkt, dass zahlreiche Holzteile der Häuser und auch die oberen Stockwerke gut erhalten blieben. Das Holz ist angekohlt und hat im feuchten Schlamm seine einstige Form behalten. Zahlreiche technische Details an den Häusern wie Fachwerke, Dachstühle, Fensterläden, Türflügel und Mobilar, aber auch die Strukturen des Geschossbaus sind hier deutlicher als in Pompeji zu erkennen.
Schlußbemerkung: 

Wir haben anspruchsvolle, anstrengende aber sehr informative Tage erlebt. Über dem Rückflug von Neapel direkt nach Wien schwebte die Aschewolke des isländischen Vulkans, wir hatten Glück.

Die Art und Weise, wie in Neapel das Verkehrsgeschehen abläuft, hat anfänglich großes Erstaunen hervorgerufen, alles wirkte so unorganisiert, ein bisschen chaotisch. Erst später schien es, dass  dahinter eine andere Auffassung stehen könnte. "Leben und leben lassen" scheint das Motto italienischen Verkehrsteilnehmer zu sein.
Der Vergleich mit Österreich und Deutschland drängt sich auf.