Studienreise nach Aquileia

9.-14.6.2009

Begleitung durch Herrn Univ.-Prof. Dr. Werner Jobst

Reiseverlauf mit kurzer Beschreibung

9.6.2009
Um 6.30 beginnt das "Einsammeln" der 23 Reiseteilnehmer. Der 3.87m hohe Bus des Reisebüros JÖBSTL muß dabei um die Stadt geführt werden. Um ca. 7 Uhr verlassen wir Hainburg.
Magdalensberg.  Im 3.Jhdt v.Ch. befand sich am Gipfel des Berges eine keltische Siedlung mit Tempel. Eine starke Befestigungsanlage, von der nur mehr eine Doppeltoranlage zu sehen ist, schützte den Ort, der für den  Handel mit norischem Eisen wichtig war. Der Ort war Sitz der norischen Könige.
Unter Tiberius vollzog sich eine friedliche Eingliederung in das röm. Reich. Die Siedlung wurde von den Römern aufgegeben und in der Ebene als VIRUNUM neu gegründet, der abgebildete Tempel wurde nie fertiggestellt.
Überraschend war für uns die Abdeckung der Mauerreste: eine Lehmschicht, auf der eine Grasnarbe gedeiht. Die Ausgrabung erhält dadurch ein parkähnliches Aussehen.
Wir sehen ein römisches Prätorium. In der Mitte ein freier Platz,  umgeben von Säulenhallen, die nicht mehr vorhanden sind, an einem Ende das erhöhte Podium, von dem aus Recht gesprochen wurde. 
Mit etwas Phantasie kann man sich den plärrenden Mob, auf dem Podium Christus und Pilatus vorstellen.
Der berühmteste Fund ist wohl der "Jüngling vom Magdalensberg". Im 5.Jhdt v.Ch. wurde die griechische Bronzeplastik hergestellt. Kaufleute aus Aquileia spendeten eine Kopie davon dem keltischen Tempel, der sich auf dem Gipfel des Berges befand. 1502 n.Chr. machte ein Bauer diesen Fund auf dem Berg. Der Jüngling kam nach Salzburg, wurde restauriert und ist heute im Kunsthistorischen Museum in Wien zu sehen. Vor Ort ist die Kopie der Kopie zu bewundern.

Im Restaurant am Gipfel konnten wir, es sollte das einzige mal in den 6 Tagen sein, bei schöner Aussicht und in Ruhe ein Mittagessen genießen.
Maria Saal Wallfahrtskirche im Zollfeld, nahe dem Herzogsstuhl. Im 8.Jh vom Bischof Modestus gegründet durch Befestigungsanlagen geschützt. Von der romanischen Kirche ist nichts mehr zu sehen, der spätgotische Bau mit 2 stattlichen Türmen ist weithin sichtbar. Die äußere Südseite stellt ein riesiges Lapidarium dar. Die Römersteine stammen vermutlich aus Virunum.
Bekannt ist das  römerzeitliche Grabbaurelief, welches die Fahrt eines Verstorbenen in die Unterwelt darstellt.
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Vermutlich vom selben Grabbau wie das Wagenrelief, stammt eine Darstellung der Szene in der Achill den toten Hektor hinter seinem Streitwagen um Troja schleift.
In der Vorhalle beim Eingangsportal sieht man die säugende Wölfin, daneben ein Relief Christi sowie got. Fresken.
Den spätgotischen Flügelalter konnten wir nur aus der Ferne erahnen, die Kirche war verschlossen
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Gemona Die Region wurde 1976 durch mehrere Erdstöße schwer beschädigt. Zahlreiche Photos in der wiederaufgebauten Stadt lassen den Grad der Zerstörung erahnen.
Die Fassade des um 1300 erbauten Domes beeindruckt durch das gotische Radfenster, die 7m große Statue des hl Christophorus (Schutzpatron der Kaufleute). Unterhalb der Rosette wird in einer Galerie die Anbetung der Heiligen Drei Könige dargestellt.
Im Portal thront Christus der Weltenrichter.
Beide Bilder zeigen das Ausmaß der Zerstörung an einem Fresco im Dom bezw. am Campanile. Die Bemühung um die Reste, die Art und Weise, wie Ruinen ergänzt wurden, damit der ursprüngliche Charakter des Bauwerkes nachempfunden werden kann, haben uns Denkmalpflege der anderen Art vor Augen geführt.
Venzone wurde beim Erdbeben von 1976 fast vollständig zerstört. Beim Wiederaufbau wurde jeder Stein nach Möglichkeit an seine ursprüngliche Stelle gesetzt.
Gemischte Gefühle löste bei einigen von uns die Besichtigung der Mumien aus. Tote aus dem 16.Jhdt. wurden in ihrer Gruft durch einen Schimmelpilz vor dem Zerfall bewahrt, sie trockneten aus. 5 Mumien (einige fielen auch dem Erdbeben zum Opfer) werden zur Schau gestellt.
Udine Ein 2-stündiger Regen (der einzige während der Reise) hat das Besichtigungsprogramm eingeschränkt. Kurzer Imbiss unter Arkaden am Platz der Freiheit beim Palazzo Publico, Kastell mit Regenschirm, Archäologisches Museum geschlossen. Weiterfahrt.
Palmanova ,um1600 gegründet, wurde als Ideal einer Renaissancestadt konstruiert und gebaut.  Vom 6-eckigen Hauptplatz gehen 6 Straßen radial nach außen. Die als 9-Eck geplante Umfassungsmauer mit ihren Bastionen galt als uneinnehmbar.
Das erste Bild zeigt, dass selbst in Italien Bausünden nicht verhindert werden können.
Im zweiten Bild sieht man eine für uns abenteuerliche Elektroinstallation am Hauptplatz.
11.6.2009
Aquileia  wurde um180 v.Ch. als Handelsbasis und Garnisonsstadt gegründet. Der Hafen gehörte zu den wichtigsten im römischen Reich.
Nach 300 n.Ch. (Toleranzedikt Kaiser Konstantins) breitete sich das Christentum von hier bis zur Donau aus. 
Der Dom als Bischofsitz ( Konzil um 381) wurde mit prächtigen Mosaiken ausgestattet. Das "große Mosaik" aus der Zeit um 310 zeigt auf 750m² Bodenfläche Darstellungen aus Tier- und Pflanzenwelt sowie biblische Themen. Die Deutung der Motive ist teilweise unklar. Die unterschiedliche Art der Ausführung einzelner Segmente zeigt,  dass verschiedene Werkstätten beteiligt waren.
Man bewundert hier das größte existierende Mosaik  aus frühchristlicher Zeit .
Der Hafen wurde bald nach der Stadtgründung angelegt. Er war für die Versorgung der Stadt (der Truppen) aber noch mehr für den Handel mit den nördlichen Provinzen wichtig. Das Bild zeigt die einen Teil des Flusses, die Kaimauer und Reste der Lagerhallen. Aquileia lag am Ende der Bernsteinstraße, das norische Eisen wurde von hier aus in alle Teile des römischen Reiches verschifft. Im 4. Jhdt änderte der Fluss seinen Lauf, er war nicht mehr schiffbar.
Im archäologischen Museum (gegründet von Österreich-Ungarn) sieht man u.a. die Darstellung des Mythos einer Stadtgründung (2 Ochsen ziehen einen Pflug um die Grenzen der Stadt festzulegen), Mithras und den Stier, Gläser aus eigener Produktion und ein Mosaik mit seltenem Thema: Der Auftraggeber wollte einen Raum, so wie dieser von den Gästen nach einem Gelage verlassen wurde, darstellen ( aus heutiger Sicht ein Saustall).
12.6.2009
Miramare wurde von Erzherzog Maximilan im englisch- normannischen Stil erbaut. Die Einrichtung und die Ausstellungsgegenstände erinnern an die Verbindung des Erzherzogs mit der Marine (Oberkommandierender der Kaiserlichen Kriegsmarine).1864 schiffte er sich nach Mexiko ein, wo er 1867 hingerichtet wurde. Die Position eines Kaisers von Mexiko hat er nie angestrebt.
Der Besuch des Museums eröffnet einen Blick auf ein tragisches Kapitel der österreichischen Geschichte
Triest war abgesehen von kurzen Unterbrechungen von 1352 bis 1918 mit Österreich verbunden. Unter Karl VI. Maria Theresia und Josef II. erfuhr die Stadt einen gewaltigen wirtschaftlichen Aufschwung. Die Eisenbahnverbindung Wien-Triest und der Suezkanal ließen Triest zum wichtigsten Hafen der Monarchie werden. Im Hafen ist auch die Basis 0 Meter Seehöhe angelegt, von der aus die Höhenangaben des gesamten Reiches gemessen wurden.
Kurze Rast am Canal Grande,
vorbei am römischen Theater (zur Freilegung wurde 1938 ein ganzes Wohnviertel abgerissen) zum Kastell
Wir erleben Vorbereitungen für eine 130 Jahrfeier der örtlichen Polizei, genießen den herrlichen Ausblich auf die Stadt und das Meer, die meisten Männer den Anblick einer netten, aus Sizilien stammenden Polizistin.
Im Lapidarium des Kastells sind u.a. wieder Mosaike zu bewundern.

Infolge der Überlastung des Telephonnetzes war es zunächst unmöglich, mit unserem Busfahrer Kontakt aufzunehmen. Gut eine Stunde haben wir einander gesucht. Man kann sich kaum vorstellen, welche Freude der Anblick eines Busses am Ende eines anstrengenden Tages auslösen kann.

13.6.2009
Cividale wurde von J.Cäsar gegründet (Aus Civitas Forum Julii wurde Friaul). 568 n.Ch. nahmen die Langobarden den Ort ein und machten ihn zur Hauptstadt ihres Herzogtums. 774 folgten die Karolinger den L.
Während des gesamten Mittelalters hatte Cividale eine kulturelle und ökonomische Vormachtstellung in der Region.
In den engen Gassen laden Bars und Cafes zum Verweilen ein.
Beeindruckend, weil so völlig anders, war das archäologische Museum mit dem Schwerpunkt der langobardischen Kunst.
In Görz blieb uns aus Zeitmangel nur die Möglichkeit für einen kleinen Imbiss und  einen kurzen Ausflug (20m) nach Slovenien.
Die Grenze teilt die Stadt. Auch nach 1989 sind beide Teile noch nicht verflochten.
Duino aus dem Besitz der Familie Thurn und Taxis ist bekannt durch seine Garten- und Schlossanlage. Berühmt wurde der Ort durch die Duineser Elegien von R.M.Rilke. Eine Reiseteilnehmerin hat die 2. Elegie auszugsweise vorgetragen.
Ebenso schwer verständlich, aber rational nachvollziehbar, ist ein Ergebnis der Arbeiten von Ludwig Boltzmann (in Duino aus dem Leben geschieden) S=k*lnW, mit dem er dem 2. Hauptsatz der Wärmelehre eine neue Deutung gab.
Ein kurzer Ausflug zum Strand war das letzte Ereignis des  letzten Tages.
14.6.2009
Heimreise. Nach 5  Tagen intensiver Besichtigungen,  wir machten schließlich keine Erholungsreise, fuhren wir mit einem lachenden und einem weinenden Auge nach Hause.
Das weinende:  Wir gewannen sehr viele Eindrücke, die zur intensiven Besichtigung anregten. Eigentlich müsste man  durch eine Individualreise das Gesehene vertiefen. Der Zeitmangel und die Spielregeln einer Gruppenreise forderten Tribut, (wir hatten nicht einmal Zeit für einen Einkaufsbummel).
Das lachende: Viele von uns waren nach diesen 5 Tagen nicht mehr so fit wie am ersten Tag. Ein Ruhetag war dringend nötig, das war eben die Heimreise.

Herrn Prof.W.Jobst ist für die Zusammenstellung des Programms und für dessen Umsetzung zu danken. Er stellte viele Querverbindungen her und ließ Zusammenhänge zwischen Ereignissen und Entwicklungen erkennen. Das Verständnis für historische Abläufe wurde wieder etwas gefestigt.